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Vorkriegsautos in den USA – Ein subjektiver Überblick

Dieser Beitrag soll einen Überblick über die meist sehr interessanten Vorkriegsautos in den USA geben. Denn in den 30er Jahren, also vor dem 2. Weltkrieg, waren die Amerikaner den europäischen Herstellern in der Fertigung, Komfort und Vielfalt im Fahrzeugbau weit überlegen.

Ein klassisches Fahrzeug kaufen, restaurieren, warten und fahren hat verschiedene Gründe. Vielfältige Motivationen können es sein, wie Nostalgie, Jugenderinnerungen, Interesse an historischer Technik, Design oder die Lust am Schrauben. Ein altes Auto ist sicherlich in den meisten Fällen keine Wertanlage mit großem Steigerungspotential. Addieren Sie einmal das ausgegebene Geld über die Jahre des Besitzes zum Kaufpreis.

LaSalles mit Cadillac Kühlerfigur

LaSalle mit Cadillac Kühlerfigur, Roadster mit Rumble Seat – Baujahr ca. 1930 – 1932

Automobilhersteller in den USA bis 1945

Oberklasse Fahrzeuge der Hersteller Auburn, Cord, Duesenberg, Nash, Packard (bis 1958), Pierce Arrow und Stutz waren zukunftsweisend, nicht nur durch ihre Zuverlässigkeit, sondern auch durch die technischen Lösungen. Autos der Oberklasse waren schon damals im Verhältnis zu den Einkommen eines Normalverdieners sehr teuer. Die Fahrzeuge der Luxusklasse glänzten durch die zahlreich angebrachten Dekorationen aus Chrom und Edelstahl.

Schauen wir uns bei den anderen bekannten und größeren Herstellern bzw. Marken einmal um:

  • Buick (GM) war gehobene Mittelklasse
  • Cadillac ab 20er Jahre Oberklasse mit V8 Motoren
  • Chevrolet (ab 1918 GM) war direkte Konkurrenz zu Ford
  • Chrysler
  • DeSoto (Chrysler) war nicht so populär, baute kleine Serien
  • Dodge Chrysler)
  • Ford war am populärsten mit einfacher Technik, V8 Motoren ab 1932
  • Franklin (bis 1934) wurde die Luxusversion von Ford
  • Hudson (1954) war bekannt für Rallyeautos, zum Beispiel Hornet
  • Kaiser Autos waren bis 1953 Exoten
  • LaSalle (ab 1909 GM) war die „low budget“ Version von Cadillac
  • Marquette war die preiswerte Marke von Buick
  • Lincoln ist eine Marke von Ford für die gehobenen Fahrzeugklassen und Staatskarossen,
  • Oldsmobile (ab 1908 GM) war nicht so populär
  • Pierce-Arrow war ein Marke für Luxus PKW
  • Plymouth (ab 1928 Chrysler) war selten und aussergewöhnlich
  • Pontiac (ab 1926 GM)
  • Willys-Overland (bis 1919) waren Exoten

Bis Mitte der 30er Jahre wurde Holz vom Stellmacher als Versteifung in den meisten Karosserien, die auf Leiterrahmen geschraubt wurden, verbaut. Auch groß gewachsen Menschen hatten im Gegensatz zu heutigen Fahrzeugen genügend Platz vorne und hinten im Vorkriegsauto aus den USA!

Technische Merkmals der Typen in den USA

Ab 1932 wurden in der Regel nur noch 6-, 8- 12- und 16-Zylinder-Motoren produziert. Der amerikanischen Regierung sein Dank für die Besteuerung nicht nach Hubraum wie in den europäischen Ländern. Durch den großen Hubraum konnte sehr schaltarm gefahren werden, denn die Motoren hatten bereits bei niedrigen Drehzahlen ein gutes Drehmoment.

Sie halten auch heute bei guter Pflege noch die „Truck Speed“ von 100 km/h problemlos ein. Bis 1932 wurden unsynchronisierte 3-Ganggetriebe gebaut, später synchronisiert, teilweise mit Freilauf, elektrischem oder mechanischem Overdrive. Die Automatik-Getriebe wurden erst in den 50er Jahren als 2-Gang-Automatik populär. Bei Auburn gab es sogar eine wählbare Hinterachsübersetzung!

Bremse an allen vier Rädern waren ab Ende der 20er Jahre üblich. Meist wurden die Bremsen über einstellbare Gestänge betätigt. Üblich waren relativ große Räder und darin untergebracht grosse Trommeln für eine hohe Standzeit bei guter Wartung. Die Handbremse wirkte bei einigen Modellen sogar auf vier Räder.

Schon damals gab es in den USA an Autos verstellbare Stossdämpfer, ein höhenverstellbares Lenkrad und ein durch Unterdruck verstärkter Kupplungsassistent beim Hudson. Schon damals wurde den Käufern das Geld aus der Tasche gelockt durch viel optionales Zubehör.

Karosserieformen in den USA

Die Hersteller lieferten überwiegend die Technik und ungezählte Karosseriebauer (Couchbuilders) lieferten eine Vielfalt an unterschiedlichen Karosserien mit optionalen Ausstattungsvarianten für jeden Bedarf:

  • Business Coupé mit Kofferraum
  • Doctors Coupé mit einem Sitzplatz und Kofferraum
  • Cabrio Convertible mit Kurbelfenstern und stabilem Verdeck mit Sturmstangen
  • Cabrios Roadster ohne Kurbelfenster mit leichtem Verdeck
  • Golf Coupé mit Klappe für Golftasche im hinteren Seitenteil
  • Landaulet im hinteren Bereich herunterklappbares Verdeck
  • Pickup Roadster oder Closed Cap (CC) mit ebener und offener Ladefläche (Pritsche)
  • Sport Coupé mit „rumble seat“ oder „dicky seat“ (Notsitz)
  • Tourer (Phaeton) mit vier Sitzplätzen und Klappverdeck
  • Town Sedan mit 2- oder 4-Türen
  • Woody wurden auf vielen PKW-Fahrgestellen aufgebaut und im Nutzfahrzeugkatalog angeboten

Design im Stil der Zeit

In den Jahren der Depression, ab 1929, versuchten Hersteller durch Innovationen, Zubehör und Preissenkungen den Auto-Markt wieder anzukurbeln. Der Karosseriestil einer Kutsche mit vorgesetzter Motorhaube und Variationen mit unterschiedlich geformten Kotflügeln war stilistisch Vergangenheit. Das Ersatzrad war bei manchen Modellen im vorderen Kotflügel montiert (side mount) oder gar zwei Ersatzreifen auf dem Kofferraumdeckel hinten (rear mount), denn die Straßen und Wege von damals waren schlecht. Auch bei den damaligen Karosserien liessen sich die Stilisten gegenseitig vom Wettbewerb inspirieren.

Bereits 1934 kam der radikale Umbruch in der Gestaltung und zeigte sich wegen der Radikalität und der neuen Stromlinie als Flop bei den Kunden, der Chrysler Airflow. Bereits 1936 wurden wieder traditionellere Formen von den Herstellern präsentiert. Ende der 30er Jahre war die Stromlinie bei den Automobilen international ein Trend. Die meisten Modellwechsel und optischen Änderungen erfolgten meist im Rhythmus eines Kalenderjahres und sollte zu neuem Kauf animieren.

Ersatzteilversorgung

Die Ersatzteilversorgung ist für Ford Model T, Model A (Ersatzteilkatalog 418 Seiten!), viele Buick und Chevrolet Modelle als perfekt zu bezeichnen. In den USA gibt es reichlich Ersatzteilhändler, Foren für fast jeden Typ und ungezählte American Classic Car Websites.

Literatur über Vorkriegsautos in den USA

Wer sich für eine Marke und Typ interessiert, sollte fleißig „googeln“. Ob nun Informationen über den Hersteller (Wikipedia) gesucht werden, auch Webseiten von Clubs, Owner’s Clubs, Foren und privaten Seiten bieten reichlich Informationen zum Einstieg in das Thema oder Vertiefung in einzelne Modelle.

Kauf eines Vorkriegsautos in den USA

Es ist immer wieder eine Frage des Vertrauens, ob man den Kauf bei einem Händler oder von Privat vorzieht. Rostschäden sind bei den Leiterrahmen recht selten. Praktisch gibt es keine Hohlräume. Es sind ideale Fahrzeuge für Schrauber, da es praktisch keine Hohlräume gibt. Die Technik ist einfach und kommt dem Schrauber entgegen. Ob die Qualität einer Restauration in den USA, bezüglich Technik und Lackierung auch unseren Maßstäben gerecht wird, muss jeder für sich selbst entscheiden.

Grundsätzlich sollte man keiner schriftlichen Beschreibung oder schönen Fotos allein in Anzeigen vertrauen. Wer nicht selber die Reise antreten möchte, sollte einen „Auto Inspector“ (Gutachten) in Auftrag geben. Das Geld ist gut angelegt. Man bekommt ein ausführliches Gutachen und kann dann entscheiden. Zum Kauf eines Vorkriegsautos gehört ein Vertrag und als Dokument die „clear title“ Besitzurkunde.

Die Bezahlung ist natürlich Vertrauenssache. Dies ist möglich über den beauftragten „Auto Inspector“, einen Treuhänder, über den beauftragten Spediteur oder besser einen Bekannten in den USA.

Autokauf USA und Export nach Deutschland

Für den Transport (1200 – 1500 Euro) sollte das Auto gut versichert werden und im Ccontainer nach Rotterdam verschifft werden. Bei einem Fahrzeug, das älter als 50 Jahre ist, werden in den Niederlanden 6 % Einfuhrumsatzsteuer auf den Bruttopreis (Kaufpreis mit Transport) fällig.

Zulassung in Deutschland

In Deutschland ist eine Einzelabnahme des Klassikers notwendig. Ein passendes Datenblatt zum Typ und Modell bekommt man, falls nicht vorhanden, beim TÜV Süd. Dann ist die Begutachtung nach §21 StVZO (Betriebserlaubnis für Einzelfahrzeuge) und § 23 StVZO (Gutachten für die Einstufung eines Fahrzeugs als Oldtimer, H-Kennzeichen) beim TÜV oder einer anderen technischen Prüforganisation erforderlich. Vor einer erfolgreichen Hauptuntersuchung ist mindestens der Einbau einer Warnblinkanlage und Blinker für die Zulassung in Deutschland erforderlich.

Preise aktuell im Vergleich günstig

Die Preise für Vorkriegsfahrzeuge in den USA sind im Vergleich zu manchen europäischen Classic Cars recht günstig, auch bei Berücksichtigung des Wechselkurses. In den Oldtimer Angeboten USA befinden sich hoch interessante Modelle und Typen.

Tipp zur Auswahl eines Vorkriegsautos aus den USA

Auf jeden Fall muss das in die Auswahl genommene Fahrzeug einer Frau in Form und Farbe gefallen, denn sonst wird es in der Familie keine Akzeptanz finden.

 

 

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