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Stellmacher seit 50 Jahren kein Handwerksberuf mehr

Stellmacher ist ein aussterbender Beruf und seit 50 Jahre offiziell kein Handwerksberuf mehr. Viele Vorkriegsfahrzeuge haben blechumkleidete Holzkarosserien. Müssen sie restauriert werden, landen sie oft bei einem der wenigen noch arbeitenden Stellmacher.

Stellmacher restaurieren und rekonstruieren Holzkarosserien von Automobilen, gebaut vor 1940. Daher sind die meisten Fahrzeuge 75 Jahre und älter. Sie haben ein Holzskelett unter dem Blechkleid. Beispiele sind Adler, DKW aus der Vorkriegszeit und Edelklassiker wie Mercedes-Roadster 540k. Ebenso werden noch heute Specials mit Holzskelett von darauf spezialisierten Unternehmen gefertigt. Stellmacher arbeiten heute für Autohersteller, Museen und private Sammler.

Opel LKW 10-40 Baujahr 1927

Opel LKW 10-40 Baujahr 1927 1,5t restauriert 2009 – 2011 in Altenburg

Das Stellmacher Handwerk

Verwand mit dem Stellmacher ist der Beruf des Tischlers. Das Tätigkeitsgebiet der Stellmacherei ist sehr alt. Ein Stellmacher baut Sachen aus Holz, die der Mobilität dienten und noch dienen. Bereits vor 6000 Jahren wurde der erste zweirädrige Karren gebaut. Dann gab es Wagen mit Speichenrädern. Der Handwerksberuf wurde im 19. Jahrhundert Lehrberuf. Seine Hauptbetätigung waren landwirtschaftliche Fahrzeuge und Kutschen. Dieses Wissen war später zum Bau von offenen und geschlossenen Kutschen und dann Automobilen gefragt. Bis etwa 1940 hatten sehr viele Automodelle noch ein formgebendes und tragendes Holzgestell, das mit Blech verkleidet war.

Heute sollen noch etwas mehr als 6.000 Automobile der Baujahre 1940 und früher für den Straßenverkehr, nach Angaben des VDA, zugelassen sein. Diese Technik wurde nach der Erfindung der selbsttragenden Blechkarosserie in den 30er Jahren entbehrlich.

Opel LKW 10-40 Laderaum

Opel LKW 10-40 Laderaum

Restaurierung und Rekonstruktion

Die Restaurierung und Rekonstruktion ist sehr aufwendig, denn in der Regel sind keine Konstruktionsunterlagen der historischen Fahrzeuge mehr vorhanden. Die mit Blech verkleidete Holzkonstruktion muss vermessen werden. Doch oft ist nicht mehr viel vom Original vorhanden. Es müssen Schablonen für die fehlenden Teile gebaut werden. Nur noch wenige Stellmachermaschinen sind vorhanden, zum Beispiel für das Biegen von Holzteilen. Es ist eine Präzisionsarbeit und sehr zeitaufwendig. Früher wurde Buchenholz für die Konstruktion genutzt, heute nur noch Esche. Esche ist haltbarer als Buche.

Morgan Motor Company Skelett aus Eschenholz

Soweit mir bekannt ist, werden serienmäßig nur noch bei der Motor Company in Großbritannien Aufbauten aus Holzskeletten produziert.

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