Skoda 4R – 1.Typ nach Fusion L & K mit Skoda-Konzern

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Der Skoda 4 R war der erste Typ nach der Fusion von Laurin & Klement (L & K) und Pilsner Skoda-Konzern im Juli 1925. Für beide neuen Partner war dies eine Hochzeit aus Vernunft. Vaclav Klement äusserte sich bei der Generalversammlung seiner Firma u.a.: “…unsere Firma entstand aus Liebe zur Arbeit … 30 Jahre habe ich ihr alles gewidmet … die bisherige Unabhängigkeit opfere ich im Interesse eines schnelleren Fortschrittes und Konkurrenzfähigkeit … Skoda besitzt alle Instrumente und das nötige Kapital um die Entwicklung und Produktion weiterzuführen …“

Schon 1925 wurde Laurin & Klement aus allen Handelsregistern gestrichen. Nur als schwacher Trost für die ursprüngliche Belegschaft war das verbliebene Emblem am Kühlergrill bei allen noch produzierten L & K Typen. Die Betriebsleitung wurde nach Pilsen verlegt, was wieder zu viel Unmut führte. So lange man die erfolgreichen Typen 105 und 110 baute, war die Zusammenarbeit noch erträglich. Als es aber zu Entscheidungen über Neukonstruktionen ging, waren die Gemüter erhitzt. Unter diesem Vorzeichen entstand das erste vom Pilsner Konzern konstruierte Auto mit dem Namen Skoda 4 R


Auto-Skoda - Laurin & Klement
Auto-Skoda – Laurin & Klement © Fotoquelle und Bildrechte: Aufnahme etwa 1930 Sammlung Dr. Georg W. Pollak, sc.

Wissenswertes über den Skoda 4 R

Wer glaubte, dass mit diesem Typ ein neues, modernes Auto auf den Markt kam, wurde ziemlich enttäuscht. Nicht weniger als 60% aller Teile waren bewährte L & K Bauteile. Die Produktion blieb weit unter den Erwartungen. Während Typ 110 in über 2500 Exemplaren verkauft wurde, gab es von dem „neuen“ 4 R nach zweijähriger Bauzeit (1928 – 1930) nur 975 Stück. Endlose Beratungen und Sitzungen im aufgeheizten Klima führten zu Verspätungen und zu Kompromisslösungen. Die Leitung von Skoda hatte nämlich bereits den nachfolgenden Typ 420 im Auge, der später zum erfolgreichen Popular wurde. Seine Technik überlebten sogar bis in die Nachkriegszeit.

Auf der Webseite des Classic Car Club Plzen wurde der Typ Skoda 4 R schon früher vorgestellt. Der Autor dieses Berichtes, Karel Pelak konnte einen Oldtimer als unbeschädigten, kompletten Scheunenfund mit wenig Aufwand erstmals 1973 auf die Straße bringen. Im Auto hat sich sogar das originale Werkzeug, inklusive der sog. Karotte, einem Behelf zur Kupplungszentrierung befunden. Herr Pelak fuhr mit dem 4 R sogar das traditionelle Zbraslav-Jiloviste- Bergrennen, aber schon sein zweiter Einsatz war fatal. Während der anspruchsvollen Prüfung „1000 Tschechoslowakische Meilen“, wurde der Motor schwerwiegend defekt. Dann brauchte es weitere 41 Jahre bis zur zweiten Taufe. 2015 war es so weit…

Skoda Typ 4R
Skoda Typ 4R Fotoquelle und Bildrechte: Foto nach Rennovation: Ing. Václav Chaloupka, Classic Car Club Plzeň


Typ 4 R hatte gegenüber seinem Vorgänger dem 110 einige konstruktive Verbesserungen erfahren. So zum Beispiel waren die 110-Bremsen ineffizient, bis 1927 sogar nur auf die Hinterräder wirkend. Der Typ 4 R bekam 4 Trommelbremsen, vorne System Perrot mit zwei auflaufenden Backen. Alle Bremsseile verliefen parallel im Wagenfahrgestell. Wegen des großen Aufwandes wurde diese Lösung aber später beim 430 verlassen. Heute kam man mit diesen Bremsen, insbesondere mit modernem Bremsbelägen, sehr gut leben.

Die bedeutendsten Innovationen finden wir im Motor (1944 ccm, 35 PS). Die Kurbelwelle bekam ein drittes Lager und erstmals in der Geschichte des Autobaus in Mlada Boleslav, einen gusseisernen und abnehmbaren Zylinderkopf. Die Verbrennungsräume wurden nach dem italienischen Patent Ricard ausgestaltet – darum das „R“ im Namen des Fahrzeugs. Weitere Verbesserungen im Motorbau kamen erst 1937 mit der OHC-Ventilsteuerung. Versuchsweise wurde die OHC-Ventilsteuerung bei Skoda in wenigen Exemplaren schon 1927 hergestellt. 
 Alle andere Technik war mit seinen Vorgängern identisch: 4 Ganggetriebe, schwer schaltbarer Rückwärtsgang. Die Felgen waren mit Speichen und Rudge & Whitworth Zentralverschluss ausgerüstet.

Wie bereits erwähnt, war der Typ 4 R kein Verkaufserfolg. Zuletzt wurde er, laut Berichten des Handels, buchstäblich ausverkauft.

Foto nach Rennovation: Ing. Vaclav Chaloupka, Classic Car Club Plzen
, Literatur: P.Kozisek, J.Kralik: L&K-Skoda 1895–1995, Almanach VII.sjezdu ceskoslovenských inzenyru v Mlade Boleslavi v červnu 1927

Text Ing. Karel Pelak, Classic Car Club Plzen, mit Erlaubnis des Autors, bearbeitet und übersetzt von Dr. Georg W. Pollak, sc.

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