Artikelformat

Land Rover Bj. 1951 – Minimalismus pur

Land Rover, eine Marke für unerreichte Qualitäten im Gelände und Minimalismus. Die schlichte Fahrkiste von 1948 wurde zur Keimzelle für ein breites Angebot von der Serie I – III, das über den Defender heute bis zum Edel-Range Rover reicht.

Der Geländewagen von 1951 zwingt seinen Fahrer zu jedem Aspekt alles zu vergessen, was beim Autofahren in den vergangenen Jahrzehnten an Komfort geschaffen wurde.

Zum Öffnen der beiden Türen muss sich die Rechte durch eine Öffnung unterhalb der Plastikseitenscheibe fädeln, die mit einer Abdeckung aus stabilem Segeltuch das Eindringen von Nässe aber nicht wirklich zwingend verhindert. Der textile Werkstoff teilt sich mit Aluminiumblechen die Aufgabe, eine Karosserie zu bilden. Als das Modell 1948 auf dem Markt kam, war das Verdeck nur optional erhältlich. Ebenfalls zwei dünne, mit Kunstleder bezogene Polster, die Lehne und Sitzfläche des Beifahrersitzes bilden. Der selbstverständlich nicht verstellbare Fahrersitz vertraut auf das identische übersichtliche Gebinde beider Komponenten.

Land Rover Baujahr 1951

Land Rover Baujahr 1951 © Fotoquelle und Bildrechte: Car-Editors.Net

Die Sitzposition ist wenig bequem. Es gibt einen Zündschlüssel, einen Ganghebel, zwei weitere zum Zuschalten von Untersetzungsgetriebe und Allradantrieb, eine Tankanzeige, einen Lichtschalter. Das große Lenkrad verfügt über einen Kranz aus schwarzem Kunststoff, das wie damals üblich, sehr dünn ist.

Während die allerersten Modelle des Land Rovers ein Vierzylinder aus Gusseisen mit untenliegender Nockenwelle, 1,6 Liter Hubraum, und 50 PS Antrieb hatten, wuchs der Hubraum 1951 auf zwei Liter und die Leistung auf 52 PS. Um zum Leben zu erwachen, verlangt der Motor nach einem beherzten Zug am Choke, was für die damalige Technik völlig in Ordnung war.

Land Rover Fabrikation

Land Rover Fabrikation © Fotoquelle und Bildrechte: Car-Editors.Net

Technische Daten Land Rover Serie 1

Länge: 3,57 Meter, Motor: R4, 1997 ccm, Leistung: 38 kW / 52 PS bei 4000 U/min, max. Drehmoment: 137 Nm bei 1500 U/min, Kraftübertragung: Vier-Gang-Schaltgetriebe, 1., 2. Gang unsynchronisiert, Untersetzungsgetriebe zuschaltbarer Allradantrieb, Leergewicht (kg): 1224, Zuladung (kg): 453, Tankvolumen 45 Liter und Preis: 1951: ab 500 Pfund, rund 5000 D-Mark.

Als die Entwicklung des Fahrzeugs 1947 begann, lastete eine große Verantwortung auf dem Projekt. Der Zweite Weltkrieg hatte Großbritannien ökonomisch vollkommen erschöpft. Für den Autohersteller bestand die Aufgabe darin, ein Produkt zu entwickeln, das nach dem Zusammenbruch der Waffenproduktion nachhaltig für Umsätze sorgen und neue Arbeitsplätze schaffen sollte. Als Zielgruppe des puristischen Mobils hatte der Hersteller Landwirte im Visier. Dafür sollte der Land Rover auch mit Pflug am Heck oder Mähbalken auf Wiese und Feld arbeiten können und genügend Laderaum bieten, damit der Bauer seine Erzeugnisse auch transportieren konnte. Der Purismus der Konstruktion war nicht zuletzt der Haltbarkeit und geringem Wartungs- und Reparaturaufwand geschuldet. Das Vorhaben war vergleichbar mit unserem ersten Unimog.

Land Rover fahren ist Minimalismus

Diesen Geist des totalen Minimalismus strahlt der 65 Jahre „Landy“ mit jeder Niete und Ritze unverändert aus. Natürlich gibt es weder eine Servolenkung noch eine Heizung. Die Klimatisierung läuft folgendermaßen ab: Seitenscheibe beiseite schieben, obere Hälfte der Türe mit Seitenscheibe durch Lösen der Haltebolzen entfernen und Verdeck abbauen.

 

Das unsynchronisierte Getriebe der beiden ersten Gangstufen erfordert Zwischengas beim Schalten. Die Lenkung ist direkt übersetzt, verfügt über so viel Spiel, dass das Fahrzeug Lenkbewegungen eher als unverbindliche Anregungen für einen Richtungswechsel interpretiert.

Die Höchstgeschwindigkeit liegt wohlwollend bei 90 km/h. Im Gelände zeigt der Landy erstaunliche Fähigkeiten und ist ideal für die Britischen Hill Climb Trial Veranstaltungen geeignet.

Der Land Rover ist und bleibt eine philosophische Betrachtung. Die auf das Wesentliche reduzierte Form eines Automobils ermahnt zur Demut und Bescheidenheit. Der einfache Aufbau von Chassis und Technik qualifizieren Land Rover der Serien I – III als Objekte der Begierde für Oldtimerfans.

 

 

Danke sagen!
Das Klassiker- und Motormagazin verzichtet auf nervige Werbe-Banner und blinkende Anzeigen, um dem Leser ein möglichst ungestörtes Lesevergnügen zu ermöglichen. Im Gegenzug freut sich die Redaktion über 5,00 € Unterstützung oder das Teilen des Beitrags:

Zum Lesen und Ansehen empfohlen