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Autogeschichte im Schlosspark Schwetzingen

Das elegante Freiluft-Museum der Automobilgeschichte, garniert mit ausgesuchten Accessoires, Mode, Automobilia, Zubehör und Literatur, dazu Live-Jazz mit den Strangers und dem österreichischen Jazz-Pianisten Burle Baumgartner (81!) vor der Kunstausstellung im Südflügel des Schlosses bilden am 3. und 4. September 2016 wieder das bekannte Ereignis Classic Gala Schwetzingen.

Der kreisrunde Schlosspark reserviert fĂĽr 150 Fahrzeuge

Vom 2. bis 4. September werden sich wieder mehr als 150 klassische Automobile aus ganz Europa im einzigartigen Schlosspark von Schwetzingen treffen, um sich dem Votum der 25-köpfigen Jury für die Trophaen nach dem Reglement des Weltverbandes FIVA (Federation Internationale des Vehicules Anciens) zu stellen. In dieser Jury vereint sich die anerkannte Expertise von namhaften Technikern, Designern, Experten und Historikern zu einem Votum.

Adler DeDion Studebaker Mercedes

Adler DeDion Studebaker Mercedes (von rechts nach links) © Fotoquelle und Bildrechte: Veranstalter (huebner@autoconsult.eu)

Raritäten aus aller Welt und allen Epochen

Eines der ältesten französischen Automobile, des DeDietrich von 1896, der seine Wiege im Elsass hatte, trifft sich mit den beiden Ur-Benz-Wagen von 1893 und 1896 und aus Sinsheim kommt ein Mercedes-Rekordwagen, der zuvor nicht in Deutschland zu sehen war. Ein Duhanot Phaeton von 1907 verkörpert die frühe französische Eleganz, aus Australien kommt der gelb-schwarze Holden Chevrolet AD des Jahres 1930 und aus Südafrika der zauberhafte Cadillac Imperial, ebenfalls 1930 gebaut.

60 Jahre Mercedes Ponton-Coupe, 80 Jahre BMW 328 – 100 Jahre BMW

Auch wenn die Zeit der großen hundertjährigen Jubiläen fast vorbei ist, gibt es doch jedes Jahr Jubiläen, die die beliebte Frage „Weißt Du noch“ für immer andere Besuchergruppen aufwerfen. Diesmal ist es der erste Mercedes ohne Trittbretter und Winker, der als „Ponton-Coupé“ in die Geschichte einging, aber auch der legendäre Sportwagen BMW 328 und das 100-jährige der Auto- Motorrad- und Flugmotorenwerke BMW mit Sitz in Eisenach, Spandau und München.

Das Jubiläum der schlanken Mercedes Coupés und Cabriolets wird gemeinsam mit der Mercedes-Ponton-IG gestaltet. 100 Jahre BMW wird an verschiedenen Stellen der großen Schau zu sehen sein, denn wie immer werden alle Autos nach Baujahren in verschiedenen Segmenten des Parks aufgestellt. Der BMW Dixi von 1926 und frühe BMW 328 von 1936 werden im vorderen Rund des Parks Nähe Südflügel zu sehen sein, während der BMW „Barockengel“-Typ 502 als Cabriolet und der von ihm abgeleitete 503 in der Nähe des Hirschbrunnens und der Sportwagen BMW M1 Richtung Drei-Brücken-Tor zu sehen sind.

Pierce-Arrow – Eine fast vergessene amerikanische Luxuswagenmarke

Der Amerikaner George N. Pierce produzierte schon im Jahr 1901 zwei Automobile, die er in Anlehnung an die französische Voiturette (Kleinstwagenkategorie) „Motorette“ nannte. 1908 wurde die Firma in Pierce-Arrow Motor Car Company umbenannt, weil sich die Modelle mit dem Pfeil gut verkauften und schon 1909 bestellte US-Präsident William Howard Taft zwei Pierce-Arrow als erste Automobile für das Weiße Haus in Washington. Stets war der Pierce-Arrow ein hoch angesehenes Fahrzeug. In den 1920er Jahren war er ein exklusives High-Society-Statussymbol, dem der Schriftsteller F. Scott Fitzgerald in seinem Roman «Der große Gatsby» ein literarisches Denkmal setzte. In Ausstattung, Erscheinung und Zuverlässigkeit konnten es diese Wagen mit Sechs- und Achtzylinder-Motoren mit jedem europäischen Luxus-PKW aufnehmen und ab 1932 gab es sogar einen 12-Zyinder. Der Schwerpunkt der Präsentation der Marke liegt in Schwetzingen auf den späten 20er Jahren, denn Pierce Arrow sind in Europa sehr selten.

„Microlympiade“ – der größte Kleinwagen-Concours

Mehr als 30 Kleinwagen aus der Wirtschaftswunderzeit drängeln sich am Hirschbrunnen und bilden einen reizvollen Kontrast zu den dicken Straßenkreuzern des US-Classic-Car-Concours, der sich ausschließlich originalgetreuen Amerikanern widmet. Bei den Kleinwagen sieht man den seltenen Kroboth ebenso, wie den Maico 500 oder die Mopetta des damaligen Rennfahrers Egon Brütsch, dessen Motor fast so klein ist wie der Einzylinder-ILO 125ccm des berühmten Kleinschnittger aus Arnsberg im Sauerland, dessen Felgen aus Einkochtopfdeckeln an einer mit Gummibändern gefederten Achse hängen.

Und weil die deutschen Flugzeugkonstrukteure nach dem Krieg keine Flieger mehr bauen durften, sieht man zur „Microlympiade“ bei Classic-Gala Schwetzingen den Messerschmitt-Kabinenroller, den Janus von Claudius Dornier, die Heinkel Kabine und den Messerschmitt Tiger Tg500 als Konkurrenten zum Goggomobil des Landmaschinenherstellers Hans Glas und der legendären BMW Isetta, die auch als Hoffmann-Kabine vertreten ist.

Adler DeDion Studebaker Mercedes

Adler DeDion Studebaker Mercedes (von rechts nach links) © Fotoquelle und Bildrechte: Veranstalter (huebner@autoconsult.eu)

Schwetzingen ist der erste Concours d’Elegance der Kleinsten. Die Helden der Wirtschaftswunderzeit lassen kein Auge trocken.

Die besten amerikanischen Autos in Deutschland

Der erst 2013 eingeführte US-Classic-Car-Concours, abgekürzt USCCC, hat sich in der Szene der Sammler amerikanischer Fahrzeuge schnell als Qualitätsveranstaltung etabliert, weil es zwar viele „Show-and shine-contests“ für modifizierte „Custom-cars“ mit Chrom und Glimmerlack gibt, aber kaum einen Concours, bei dem es auf originalgetreuen Zustand ankommt. Im USCCC sind bewusst nie mehr als 40 Fahrzeuge versammelt, doch diese sind so authentisch, wie das Ford Mustang Fastback-Coupé, das die die Wiblingerin Frau Lowe 1964 als Hochzeitsgeschenk von ihrem amerikanischen Mann bekam und den sie seitdem perfekt gepflegt bis heute fahrbereit aufgehoben hat.

Ein Thema des 4. USCCC ist die Marke Studebaker, ein anderes die Limousinen ohne seitliche Mittepfosten, die man als „pillarless-saloons“ bezeichnet.

AutomobilkĂĽnstler machen mobil

Im Ausstellungssaal im Südflügel sind wieder namhafte Künstler aktiv, die das Thema Automobil und die Mobilität auf ihre ganz eigene Weise interpretieren. Der Maler und Druckgrafiker Bernd Lehmann wird nicht nur seine Werke präsentieren, sondern an verschiedenen Stellen im Park live an einem automobilen Großbild malen, das später für karitative Zwecke verkauft werden soll. Lehmann hatte 2014 in Schwetzingen sein Jubiläumswerk „100 Jahre Maserati“ komplettiert und widmet sich seitdem monumentalen Interpretationen der Mobilität und in 2016 der Geschichte der Bentley-Automobile.

Im großen Format zu Hause ist auch Curd Armin Reich, genannt C A R, der Kultur, Geschichte und Geschichten zu detailreichen Werken verbindet, die das Automobil in seinem zeitgenössischen Umfeld und mit technischen Details zeigen, die das Verständnis für die Herausforderung von Konstrukteuren und Fahrern wecken.

Im Bereich des Schlossrestaurants, des Foyers und der Säle im Nordzirkel schließlich laden ausgewählte Fotografien des Fotografen Ulli Bennert aus den letzten 10 Jahren des Concours d’Elegance die Blicke der Besucher zum Vergleich mit der aktuellen Präsentation im Park ein und Konstantin Rupp aus Aschaffenburg ist weltweit der Einzige, der mit einer speziellen Gravurtechnik in Leder künstlerisch wertvolle „Ledergemälde“ von klassischen Automobilen, Rennwagen und Events gestaltet

Das alles erwartet die Besucher für den fairen Eintrittspreis von nur 6.- Euro für die staatlichen Schlösser und Gärten in Württemberg – AvD-Classic-Gala Schwetzingen will damit ganz bewusst Freunde von Architektur und Gartenkunst, der Kultur und alle Familien und Fans klassischer Automobile einladen, diese einzigartige Schau der Automobilgeschichte zu genießen.

 

 

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