Wurden die besseren Opel in Biel in der Schweiz produziert?

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Nachdem Opel am 4.12.2014 die Produktion in Bochum nach mehr als 50 Jahren einstellte, möchte ich heute auf ein anderes abgeschlossenes Kapitel von General Motors (GM) in Europa eingehen. GM produzierte von 1936 bis 1975 in einem Montagewerk in Biel (Kanton Bern/Schweiz).

Rahmenbedingungen zur Gründung des Montagewerkes

Industriell stand am Ende der Zwanziger Jahre im Vordergrund die Fließbandproduktion und die Weltwirtschaftskrise. Diese Krise führte zu protektionistischen Tendenzen in den Nationalstaaten. Während der Import von Fertigprodukten, speziell bei Luxusgütern, mit hohen Schutzzöllen belegt wurde, erhielten importierte Halbfertigprodukte Subventionen von den Regierungen. Ziel war es, die heimische Wirtschaft zu fördern.

Das Gelände wurde von der Stadt Biel gratis zur Verfügung gestellt. Die Stadt Biel baute auf einem rund 30.000 qm großen Geländes in Bahnhofsnähe für das GM-Montagewerk eine geeignete Halle für 2 Mio. Schweizer Franken. Das Gebäude wurde in damals top-aktueller Glas- und Stahlbauweise konstruiert. Die Fabrik baute die Stadt auf eigene Kosten, vermietete diese zu 8 % der Baukosten an GM. Die Stadt Biel verzichtete für fünf Jahre auf die Erhebung einer Gemeindesteuer.

Am 5. Februar 1936 war der erste Buick der General Motors Suisse SA zur Auslieferung fertig montiert.

GM Suisse Rekord Ascona P
GM Suisse Rekord Ascona P – Zulassung 24.06.1959 1488 ccm, 45 PS, 3-Gang-Lenkradschaltung

Die Zeit des zweiten Weltkrieges

Die vorrätigen Teile machten eine Produktion von etwa 800 Fahrzeugen während dieser Zeit noch möglich. Ein Teil der Gebäude wurde an das rote Kreuz vermietet. Der Rest wurde zur Herstellung von Kriegsmaterial eingesetzt. Auch die Reparatur von Eisenbahnwagons wurde im GM-Montagewerk durchgeführt. Das Fließband wurde während dieser Zeit durch ein Eisenbahngleis ersetzt.

Die Zeit ab 1947 bis 1975

General Motors Suisse SA kaufte und modernisierte im Jahr 1947 die Fabrikgebäude. Die Vergrößerung des Werkes wurde 1949 abgeschlossen. Bereits 1950 wurden etwa 6.500 GM-Fahrzeuge montiert. Um die Produktionskapazitäten weiter auszubauen, wurden 1955 weitere 20 Mio. Schweizer Franken in das Werk investiert. 1957 wurden bereits 14.500 Fahrzeuge verkauft. In den Folgejahren konnten durch weitere Rationalisierungsmaßnahmen ein Ausstoß von 18.000 Fahrzeugen realisiert werden. Die Fläche des Werkes betrug jetzt 52.000 qm. Die Produktionszahlen tendierten gegen 20.000 Einheiten und 1968 waren es etwa 30.000 Fahrzeuge.

Für die Eisenbahn der Schweiz (SBB) bedeutete das rasante Anwachsen der montierten GM-Absatzzahlen 1968 ein Auftragsvolumen von ca. 53.000 Tonnen. Darunter waren ca. 30.000 fertige Fahrzeuge.

Österreich und Italien wurden seit 1947 von General Motors Suisse SA betreut. Zuletzt wurden rund 50 % der in Biel montierten Fahrzeuge in die beiden genannten Märkte exportiert. In den 60er-Jahren fokussierte sich die Fertigung der Fahrzeuge in Biel hauptsächlich auf die Marken Chevrolet, Vauxhall und Opel. In den frühen Sechzigern kaufte GM eine 147.000 qm großes Gelände. Auf ihm entstand, 6 km vom Montagewerk Biel entfernt, das Lager- und Auslieferungszentrum mit einer Lagerfläche von 11.400 qm.

Das Ende der Produktion

Die GM-Produktion in der Schweiz begann aus steuerlichen Gründen. Fiskalische Gegebenheiten waren es auch, die das Ende der schweizerischen Automobilproduktion und -montage bedeuteten.

Die Gründung der damaligen EWG (Europäische Wirtschaftsgemeinschaft) war dann der Start für das Ende des GM-Montagewerks in Biel. Quasi als „Gegenkonzept“ zur EWG wurde die EFTA (European Freetrade Association – Europäische Freihandelszone) gegründet. Hintergrund war es, erleichterte Zollabkommen mit der EWG zu schließen. Mit diesem Abkommen war das Montagewerk in der Schweiz hinfällig. Durch den Beitritt der Schweiz zur EFTA und das Assoziationsabkommen zwischen beiden Organisationen musste die Schweiz die steuerliche Förderung von importierten Halbfertigprodukten einstellen. Damit war dem Montagewerk in Biel der ökonomische Boden entzogen worden. Im Jahr 1972 wurde das Zollabkommen zwischen EFTA und EWG rechtskräftig. Obwohl 1973 nochmals 5 Millionen Franken in das Montagewerk investiert wurden, lief am 14. August 1975 der letzte Wagen, ein Opel Rekord, von insgesamt 329.864 produzierten Fahrzeugen vom Band.

Opel Modelle Made in Switzerland

Die Fahrzeuge wurden aus Bausätzen montiert. Bis heute Überlebende Modelle der Typen Admiral und Rekord-Ascona sind in der Fotogalerie zu sehen. Es ist davon auszugehen, dass die Rostvorsorge der in Biel gebauten GM-Modelle besser war als aus anderen Fabriken. Auch so habe ich immer wieder den Eindruck, dass die viele Schweizer langfristig mit ihren Autos sorgsamer umgehen, als andere damalige Zeitgenossen.

Historische Fotos aus Biel finden sich in einem pdf-Dokument der Alt-Opel IG.

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