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Edsel – Teurer Misserfolg fĂĽr Ford

Im Jahr 1957 wollte Ford mit der neuen Marke Edsel Kunden gewinnen. Mit einem komplett neuen Händlernetz und großem Marketing-Budget sollten die Ford-Kunden Aufstiegsmöglichkeiten in die Mittelklasse erhalten. 18 Modelle wurden damals für die Makre Edsel präsentiert. Die Fahrzeuge waren ordentlich entwickelt, auffallend für die Epoche gestaltet und preislich mit General Motors und Chrysler Modellen konkurrenzfähig.

Sehr früh, bereits am 28. September 1948 hatte Henry Ford II, vorgeschlagen, eine neue Marke mit separatem Vertriebsnetz zu planen. Nach über sechs Jahren Vorbereitungsarbeiten begann man im Jahr 1955 mit der Entwicklung von vier Fahrzeugserien und gründete dafür eine “Special Products Division”.

Ford Edsel Ranger Baujahr 1959

Ford Edsel Ranger Baujahr 1959

Doch die Rezession Ende der 50er Jahre und falsch eingeschätzte Käuferpräferenzen führten zu geringen Absatzzahlen und zu einem sehr großen Verlust in der Bilanz von Ford. Geplant waren 200.000 Fahrzeuge im Jahr 1958 und 500.000 für 1960.


© Videoquelle YouTube und Urheberrecht: The Open Road with Eric Etzel (Edsel Ranger Baujahr 1958)

Edsel Qualitäten

Der Chef-Stylist Roy Brown gestaltete die Karosserie. Der Edsel Ranger war stattliche 5,41 Meter lang und zwei Meter breit und 1,8 Tonnen schwer. Das war in den USA damals Mittelklasse Format! Der Innenraum war typisch nach dem “American Way of Live” der 50er Jahre gestaltet. Die Fahreigenschaften mit dem V8 Motor mit 5,5 Liter Hubraum waren vergleichsweise schwammig wie alle amerikanischen Straßenkreuzer. Er neigte sich bei enger Kurvenfahrt gewaltig zur Seite. Der Wandler der Automatik kämpfte im Stand gegen die Bremsen und der elektrische Gangwechsel brauchte damals einige Zeit.

Der Edsel nutzte in seinen Varianten bestehende Ford-Technologie. Servolenkung, Automatik-Getriebe und Servobremse waren Standard. Neu war die Druckknopfschaltung fĂĽr die Automatik, selbst nachstellende Bremsen und eine neuartige Bedienungslogik der Heizungs- und LĂĽftungsanlage.

Ford Edsel Ranger Baujahr 1959

Ford Edsel Ranger Baujahr 1959

Ford Marketing

Der Grund für die Entwicklung der neuen Marke war, dass Ford erkannt hatte, dass in seiner Markenlandschaft eine Lücke klaffte und dass gemäß Marktanalysen 74% der Ford-Besitzer die Marke wechselten, wenn sie als Nachfolger des jetzigen Autos einen Mittelklassewagen kaufen wollten. Der Edsel müsste etwa 135.000 Kunden bei Ford halten.

Die Marke Edsel war nicht primär eine Ingenieur-Entwicklung sondern Marketing. Mit etwa 1.200 Händler schloss Ford Verträge, rund 16 Millionen US-Dollar wurden in Anzeigen und Fernsehen investiert. Ford wollte die De-Soto und Dodge Kunden zu den Händlern locken. Beim Vergleich mit den Fahrzeugen von Chrysler und General Motors war der Edsel damals nicht schlecht.

Rezession und Einstellung der Produktion

Ein Problem war die weltweite Rezession, die 1958 riesige Auswirkungen auf den Konsum hatte. Verkäufe in den USA gingen um mehr als 30% zurück. Trotzdem begannen sechs Montagewerke den Edsel zu produzieren. Im ersten Jahr wurden immerhin 68.000 Edsel verkauft. Auch das Design traf beim Käuferpublikum nicht und negative Kommentare über die Verarbeitungsqualität wurden in der Presse veröffentlicht. Das Design wurde schon ab Modelljahr1959 geändert. Lediglich 54.000 Stück wurden 1959 verkauft. Ford reagiert schon ziemlich früh und verringerte das Angebot der Modelle. Die Händler verkauften neben dem Edsel nun auch Ford oder Mercury Modelle.

Am 19. November 1959 wurde das Ende von der Marke Edsel und den Fahrzeugen offiziell verkündet. Es soll Verluste im Umfang von rund 350 Millionen US-Dollar für Ford gegeben haben. Die Konkurse der Händler und erhöhten Wertverluste der Edsel Kunden beim Wiederverkauf sind nicht in der Summe enthalten. Von 118.287 produzierten Limousinen, Coupés, Cabriolets und Stationwagen haben keine 10% überlebt und sie erfreuen sich steigender Preise.

Weiter amerikanische Limousinen der 50er Jahre sind im Beitrag Limousinen der 50er und 60er Jahre aus den USA zu sehen.

Übrigens, der Opel Kapitän P2.5 war in Deutschland auch ein Desaster im Verkauf und wurde nur 1 Jahr produziert. Die weit herum gezogenene Frontscheibe (Panoramascheibe) verengte den Einstieg vorne. Durch die Hintertüren konnte man mit Hut bzw. groß gewachsene Menschen nicht einsteigen, denn die Formate der Türen waren zu klein geraten! Außerdem waren zu viele amerikanische Stilelemente in einem deutschen Auto vereint.

Das Thema zu kleine und niedrige Einstiege durch die TĂĽren in Fahrzeuge findet sich heute bei fast jeder Marke und sehr vielen Modellen und nicht nur bei den hinteren TĂĽren …

 

 

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