Retro Classics im Land der Porsche wurde attraktiver

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Die Retro Classics im Land der Porsche wurde 2017 attraktiver, nein bestimmt nicht weil es dort noch mehr Porsche gab. Mehr ausländische Aussteller und mehr Vielfalt der Marken wurde geboten. Zwar sind die Youngtimer immer noch in der Überzahl, aber es sind doch wieder mehr echte historische Fahrzeuge zu sehen. Auch der Teilemarkt schien mir grösser zu sein, was viele Besucher sehr schätzten.

Die ältesten Autos, also die „motorisierten Kutschen“ haben wir an den Ständen der Klubs gesichtet. So fiel der 1904 in Coventry gebaute Two Seater SWIFT, Einzylinder, 7 PS, 40 km/h Höchstgescwhindigkeit auf, der an der Seite eines „schnellen“, zehn Jahre jüngeren, über 1,5 Tonnen schwerer Delage mit 28 PS, stand. Einer der allerersten Porsche 356/2 von 1949 mit dem Kennzeichen W 212, aus österreichischer Fertigung , stand auch gleich neben.

Swift 7Hp - 1904
Swift 7Hp – 1904

Als ein „Tin Lizzie Nest“ kann man den Stand mit nicht weniger als fünf reichlich mit Messing beschlagenen Ford T der Jahrgänge 1911 – 15 bezeichnen. Man kann die Liebe zum Detail der Besitzers bewundern. Die Ford T mit einem 3-Liter Motor gehörten zu den flinksten und robustesten Serienautos der damaligen Zeit.

Zwei majestätische Limousinen passten auch farblich zueinander. Es waren ein Stutz mit 8- Zylinder-Motor von 1927 und sein europäischer Konkurrent Rocher-Schneider von 1929. Jeder dieser Fahrzeuge war mit über 100.000 Euro ausgezeichnet. Rocher-Schneider baute in Frankreich Autos schon seit 1894.

Es waren nicht alle angebotenen Autos ihren Preis wert, darunter besonders Rennwagen, wenn man die Qualität der Aufarbeitung und Authentizität beachtete. Nicht jeder sogenannte Rennwagen darf deswegen an einem FIVA Rennen teilnehmen.

Ganz rar und niedlich zugleich standen etwas abseits des Rummels die Microcars Ferves, 1967, Modell Ranger und Rovin, 1949, Modell D2. Daneben ein Veritas. Erst bei diesem Rennwagen habe ich erfahren, dass Veritas auch eigene Motoren baute und nicht nur BMW verbaute. Tschechische Präsenz vergrößert sich von Jahr zu Jahr. Die Firma Engine aus Prag brachte einen Dutzend schöner Porsche in verschiedenen Farben mit, was sonst? Die Rennstrecke in Most warb für ihr Programm mit einer Rarität unter den Ostrennern. Der Hakar, gebaut als Einzelstück, mit Skoda 1100 ccm Motor war sehr schnell und mit F.Cecil am Lenkrad gewann er einige Rennen.

Britische Autos, mit dem MG und Jaguar Logo in der Front, belegten die Hälfte einer der riesigen und hellen Hallen. Ein silberner Alvis Roadster fiel auf. Es war natürlich ein Einzelstück. Bei den Italienern, wen wundert es, standen Unmengen an Ferraris, in allen Preisklassen. Trotzdem zogt eine schwarze Limousine die Blicke auf sich: Es war ein umgebauter Fiat 2300 (?), eines der Autos von Papstes Johannes XXIII. Unweit von diesem Exponat standen zwei Lancia im Originalzustand: Ein Roadster aus der Vorkriegszeit mit revolutionärer teilweise selbsttagender Karosserie und eine Apia ohne Mittelpfosten.
Bei den renommierten Händlern standen wieder Flügeltürer zu Hauf. Sie haben preislich durchwegs um 30% zugelegt. Auch die „Grossen Mercedes“ aus der Vorkriegszeit waren mit stolzen Preisen ausgezeichnet. Ob man die Autos zu diesen Preisen verkauft, war nicht zu erfahren. Diskretion zählte!

Restaurationsbetrieb haben mit ihren Erzeugnissen, Fotos und Werkstücken einmal mehr bewiesen, dass man heute alles, aber auch wirklich alles, wieder herstellen oder neu bauen kann. Es ist einerseits eine Frage der Investition, aber andererseits auch des Könnens. Klopfen und schweissen ist keineswegs immer gleich klopfen und schweissen, wie man sich an einigen Ständen selbst überzeugen konnte.

Schon heute tut mir der neue Besitzer eines ausgestellten Maserati leid in Anbetracht der Qualität der Renovation. Eine Firma stach aus dem Mittelmass heraus, die den Namen vom italienischen Wort für Hammer ableitet. Nahezu geniale Nachbauten konnte man in der Ausstellung des östlich von München ansässigen Betriebs bewundern.

Wohin entwickelt sich die Welt der Oldtimer?

Die Preisentwicklung zeigt weiter nach oben, die ganz teuren Wagen betrachten manche Zeitgenossen bereits als gute Geldanlage. Dem gegenüber steht die Mehrheit von Freunden der Oldtimer, die nicht über ein dicken Geldbeutel und Bankkonto verfügen. Das mag auch ein Grund sein, warum sich die Menschen vermehrt den finanzierbaren Youngtimern widmen.

Text und Fotos Dr.Georg W. Pollak, sc.

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