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Gedanken zur Durchführung von Orientierungsfahrten

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Von April bis Oktober kann man fast jedes Wochenende sein klassisches Auto, egal welcher Klasse es angehört, touristisch oder sportlich bewegen. Für die meisten Freunde und Freundinnen klassischer Fahrzeuge sollte das Wetter dazu natürlich trocken sein, um das heilige Blech vor der braunen Pest zu schützen. Genügend Gelegenheiten und Veranstaltungen finden sich im Terminkalender.

Fiat 128 Coupé bei Gleichmäßigkeitsprüfung auf Kartbahn Oppenrod

 

Oldtimer-Rallyes müssen für meinen Geschmack in einer touristisch interessanten Umgebung stattfinden und nicht durch Städte oder Hauptverkehrsadern in Ballungsgebieten führen. Besonders Vorkriegsautos und die FahrerInnen fühlen sich dann mit Seilzugbremsen oder schlechten Trommelbremsen gar nicht im Straßenverkehr wohl. Es gibt Autofahrer, die auf klassische Fahrzeuge im Verkehr Rücksicht nehmen, andere überholen langsamere Fahrzeuge gar verärgert, hastig und unvernünftig und scheren kurz vor dem Klassiker ein.

Eine Orientierungsfahrt sollte für FahrerInnen und BeifahrerInnen jeder Menge Freude und Spaß unter Gleichgesinnten bereiten. Nach meiner Ansicht haben sich bei einigen Veranstaltern für die professionellen Pokal Sammler doch einige Dinge eingeschlichen, die zumindest mir weniger Freude bereiten. Jeder langjährige Veranstalter hat seine eigene Handschrift.

Mercedes Simplex mit 60PS und Baujahr 1903

 

Übrigens sind Frauenteams mit sehr alten Fahrzeugen bevorzugt einen Pokal zu bekommen, denn diese Altersklasse von Vorkriegsautos mit Damenteams ist meist dünn besetzt.

Die Strecken einer Orientierungsfahrt führen meist über wenig befahrene Nebenstraßen. Doch ich habe das Gefühl, dass der Genuss der Landschaft und deren Sehenswürdigkeiten bei der Veranstaltungsplanung etwas kurz kommt.

Wer gerne oft durch eine Lichtschranke oder über einen Schlauch fahren möchte, kann es gerne tun. Gleich zweimal die gleiche Gleichmäßigkeitsprüfung nach einander mit einem Umweg über eine kleine Seitenstraße im Dorf durchfahren zu müssen, ist wirklich einfallslos und der Spaßfaktor ist gering. Das Ziel des Veranstalters war, dass es durch mehrfache Gleichmäßigkeitsprüfungen eine Differenzierung der sportlichen Profis im 100-stel Sekundenbereich im Gesamtresultat geben soll, denn die Profis fahren locker Chinesen, Fischgräten und andere Vorgaben ab.

Eine ordentlich und funktionierende Lichtschranken Ausrüstung mit guter PC-Software zur unmittelbaren Auswertung in einer CSV-Datei kostet als Mietgebühr und Spesen für das Lichtschrankenteam eine Menge Geld. Der Posten für die Miete muss in das Nenngeld einkalkuliert werden und das Nenngeld muss dadurch natürlich steigen. Es sei denn, ein Sponsor übernimmt die anfallenden Kosten. Brauchen wir wirklich Ergebnisse auf 100-stel Sekunden? Dieser 100-stel Sekunden Wahn verführt zur Benutzung teurer Geräte und Hilfsmitteln. Für weniger geübte Fahrer ist die Chance gering, mit zuhalten. Wertungsprüfungen mit Stoppuhr auf die volle Sekunde sollten doch reichen.

Ich finde Geschicklichkeitsübungen für die Teilnehmer interessanter, denn dabei wird auch der Fahrer bzw. Fahrerin bei der Einschätzung seines Automobils gefordert und das kann jeder individuell mit seinem eigenen Oldtimer üben. Übrigens sind Geschicklichkeitsprüfungen auch für die Zuschauer interessanter als eine einfache Gleichmäßigkeitsprüfung und führt zwangsläufig zur Punkte Differenzierung im Endergebnis der Orientierungsfahrt.

Für die Teilnehmer der Rallye Bad Homburg Historic 2011 wurde übrigens eine interessante Gleichmäßigkeitsprüfung auf der Kartbahn in Oppenrod durchgeführt. Das hat allen Teilnehmern mit langsamen und schnellen Fahrzeugen Freude und Abwechslung bereitet.

Interessante Aufgabenstellungen bringen für die Teilnehmer Vorteile und schließen eine einfachere, unkompliziertere und schnellere Auswertung der Bordkarten nicht aus. Es macht doch wenig Sinn nach Fahrtende stundenlang auf die Siegerehrung warten zu müssen. Das gilt besonders wenn das Team noch eine längere Heimfahrt vor sich hat.

Das Ziel einer Orientierungsfahrt ist es, nach einem fehlerfreien Roadbook mit Karten zu navigieren. Im Bordbuch sollten keine manipulierte Originalkarten mit geänderten Straßen vorkommen. Straßenkarten müssen in einem Maßstab und Druckqualität vorhanden sein, dass auch ältere Teilnehmer mit Brille eine Chance gegeben wird den richtigen Weg zu finden.

Denksportaufgaben sehe ich als ungerecht an, denn durch das mobile Internet und Anfragen bei Google, Wikipedia oder weiteren Wissensbasen mit dem Smartphone oder Tablet_PC machen solche Aufgabenstellungen heute keinen Sinn. Im übrigen sind Erfahrungen und Wissen bei den Teilnehmern sehr unterschiedlich verteilt. Denksportaufgaben stehen mit dem eigenen historischen Fahrzeug und Geschicklichkeitsprüfungen während der Fahrtroute in keinem Zusammenhang.

Sicher gibt es zur Gestaltung einer Orientierungsfahrt auch weitere Meinungen. Daher findet das gemütliche Autowandern mit Geselligkeit, A- und B-Prominenten zurzeit großen Anklang. Große Anforderungen an die Beherrschung des klassischen Fahrzeugs und Geschicklichkeit wird nicht gefordert.

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