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50 Jahre Volvo 1800 S Sportcoupé

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Auch Schweden bekam mit seinem Volvo 1800 S einen Sportwagen ab 1960. Dieser wurde auf dem damaligen Brüsseler Weltausstellungsgelände präsentiert. Die Karosserie kam von dem Designstudio Frua wie auch der bekannte Glas GT, Glas V8 und viele andere heute noch bekannte Klassiker. Entworfen hatte die Karosserie der schwedischen Nachwuchsdesigner Pelle Petterson.

Die Produktion begann bei der Sportwagen Manufaktur Jensen in Großbritannien mit einer von Pressed Steel in Schottland gefertigten Karosserie, aber die Qualität der fertigen Fahrzeuge war mies. Schon die ersten 250 Autos mussten vor Auslieferung zur Nachbesserung nach Göteborg transportiert werden!

Volvo 1800 S

Volvo 1800 S Sportcoupé

Ab 1963 wurde das wunderbare Fahrzeug unter dem Namen Volvo 1800 S (Sverige) im Volvo Werk Lundby bei Göteborg gebaut und gewann rasch an Popularität auch im Export.

Mit der Produktion in Schweden gab es auch die ersten Änderungen an der Karosserie und Technik. Technische Basis für das 2+2-sitzige Sportcoupé blieb die solide Volvo Amazon P120 Limousine mit dem bewährten 1,8-Liter-4-Zylinder B18B, der mehr Leistung und damit 71 kW (96 PS) produzierte. Die Höchstgeschwindigkeit stieg von 170 auf 175 km/h und der Spurt von 0 auf 100 km/h absolvierte der Volvo 1800 S in 12,1 Sekunden. Das waren damals überzeugende Werte im Kreise der verfügbaren Sportwagen.

Beachtenswert war, dass das Sportcoupé bereits serienmäßig über Sicherheitsgurte für alle 4 Passagiere verfügte. Erinnert sei daran, dass in Deutschland die Gurtpflicht erst 1976 für alle neuen Fahrzeuge vom Gesetzgeber vorgeschrieben wurde. Der damals populäre Stuntman Armin Dahl setzte sich in einen Volvo 1800 S und schwebte über dem Hafen. Die Halterungen am Kran zum Fahrzeug waren Volvo Dreipunkt-Sicherheitsgurte.

Für die Ladungssicherung leisteten die innovationsfreudigen Volvo Ingenieure damals ebenfalls Pionierarbeit. Der Volvo 1800 S hatte mehrere integrierte Ledergurte, um Gepäck wie Golfbags zu sichern.

 

Das Volvo Sportcoupé wurde zum weltweiten Inbegriff für Solidität und Zuverlässigkeit und trug mit zum Mythos von Volvo bei. Bei den 24 Stunden von Sebring und bei den 24 Stunden von Daytona 1966 wurde der zweite Platz erreicht.

Karossierbauer, zum Beispiel Radford in England und Volvoville in den USA bauten Cabriolet-Kleinserien. Auch italienische Stilisten, zum Beispiel Fissore und Coggiola präsentierten Fastback-Studien und Händler bauten Prototypen mit V8-Maschinen. Der damalige
französische Supersportwagen-Hersteller Facel-Vega setzte beim Modell Facellia auf die zuverlässigen
Vierzylinder aus dem Volvo 1800 S bzw. Volvo Amazone. Auch das waren Nachrichten, die den Volvo 1800 S im Gespräch hielten und heute zum Kultauto reifen ließen.

Der ehemalige Lehrer US-Amerikaner Irv Gordon verbrachte viel Zeit hinter dem Lenkrad seines Volvo 1800 S seit 1966 und möchte noch in diesem Jahr die Drei-Millionen-Meilen-Marke (4.827.000 Kilometer) durchbrechen. Im „Guinness Book of Records“ landete er bereits 1998 – mit damals mehr als 2,7 Millionen gefahrenen Kilometern und immer noch mit Original-Motor (?) und Getriebe (?).

Prominent wurde der Volvo 1800 S auch durch den smarten Privatdetektiv Simon Templar („The Saint“) alias Roger Moore, der Ganoven jagte und den angehende schwedische König Carl XVI Gustaf, der im Alter von 18 Jahren als erstes eigenes Auto einen Volvo 1800 S fuhr. Dies war Leidenschaft zum Auto, denn im Laufe der Jahre wurden weitere Volvo 1800 S und 1800 E an den schwedischen Hof geliefert.

Auf südafrikanischen Straßen war der Volvo 1800 S als alltags- und offroadtauglicher Sportler bekannt. Bis 1971 baute Volvo in einem Montagewerk in Durban neben der Volvo Amazone Limousine den Volvo 1800 S. Der Sportwagen war damals der schönste und sicherste jemals gebauter Busch-Racer. Die Dachkonstruktion konnte das Fünffache des Fahrzeugeigengewichts stemmen ohne nachzugeben und möglicherweise Elefantentritte aushalten.

Im Laufe der langen Bauzeit wurde immer wider etwas an der Konstruktion und Technik verbessert. 1964 wurde ein geglättetes Stoßstangendesign, das die Kuhhornbögen ersetzte, eingeführt. Immer wider wurde der Kühlergrill modifiziert. Mit der Einführung des B20B-Zweiliter-Motors mit 77 kW (105 PS) im Jahr 1968 wurde ein Jahr später die elektronische D-Jetronic-Benzineinspritzung von Bosch statt der Vergaser zur Gemischaufbereitung genutzt.

Bekannte Karossiers wie Radford in Großbritannien und Volvoville in den USA bauten Cabriolet-Kleinserien, italienische Designer wie Fissore und Coggiola präsentierten Fastback-Studien.

Im RĂĽckblick kann man sagen, dass der Volvo 1800 S heute ein Kultauto ist und seinen Abschluss im Volvo 1800 ES fand. Der Volvo 1800 ES hatte ein Kombiheck und wurde mit groĂźer gläserner Heckklappe in Deutschland unter dem Namen „Schneewittchensarg“ berĂĽhmt. Er gilt als der Pionier aller modernen Shooting-Brake Karosserien. Bis zum endgĂĽltigen Produktionsende im Jahr 1973 wurden 47.855 Einheiten gebaut und davon waren es 39.777 CoupĂ©s.

Nachtrag vom 07.09.2013
Als Simon Templar verhalf Roger Moore in der gleichnamigen Serie in den 60er Jahren einem Volvo 1800S SportcoupĂ© zur weltweiten Bekanntheit. Dieses Fahrzeug mit «prominentem Vorbesitz» wurde von Grund auf restauriert. Der Volvo P1800 war verrottet in einer HĂĽtte vor 20 Jahren gefunden worden. Es war tatsächlich der Filmwagen. Die Karosserie war ziemlich zerstört und der Motor lag in vielen EinzelstĂĽcken auf dem RĂĽcksitz. Kevin Price hat die Restauration durchgefĂĽhrt. Am 21. – 22.09.2013 soll der Wagen bei «The Footman James Manchester Classic Car Show, EventCity,
Trafford Centre» zu sehen sein.

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