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Nur alte Männer? – Die Zukunft des Hobbys Oldtimer

Frank Schädlich macht sich Gedanken um die Zukunft: Das Hobby Oldtimer für ganz normale Bürger.

Erlebnis in Rüsselsheim an den Opelvillen

Neulich war ich doch, wie fast jedes Jahr, auf einem der größten eintägigen Oldtimertreffen Deutschlands. Meine Freunde aus der Frankfurter Szene werden es kennen, das Treffen an den Opelvillen in Rüsselsheim. Über 2000 Oldies geben sich hier für einen Tag ein Stelldichein. Früher waren, d.h. meine Freunde aus dem Oldtimer-Club und ich, mit einem sehr hübschen Standplatz unter einem alten Baum auch recht stark vertreten. In diesem Jahr konnte ich leider nur Wenige und recht verstreut entdecken. Mag es an dem an die Opel-Liebhaber „verloren“ gegangenen Platz am schattigen Baum liegen oder an einem zeitgleichen privaten jährlichen Werkstatttreffen? An Letzterem waren übrigens viele TRs anwesend.

Verjüngung der Oldtimer-Szene

Verjüngung der Oldtimer-Szene © Fotoquelle und Bildrechte: Frank Schädlich

Wie dem auch sei, als ich dann mit meinem TR3 auf dem Rückweg zum Ausgang durch die Besuchermassen schlängelte, das dauerte ziemlich, hatte ich einen kurzen Moment der Erkenntnis. Eine „Junges“ Pärchen, so um Mitte 30, schaute meinem Oldtimer schon von weitem fasziniert anrollen. Im vorbei fahren O-Ton Mann: „Ein wunderschönes Auto …“. Mir schwoll natürlich sofort die Brust und mein gebeugter Rücken richtete sich merklich auf. Nur was dann kam, traf mich dann doch hart. Die junge Frau: „Ja, aber schade, dass man darin immer nur alte Männer sieht“. Das hatte gesessen!

Ich wollte schon anhalten und Ihr zurufen: „Stimmt, aber ich habe das Auto doch schon sei 30 Jahren.“ Die Menge der Fußgänger lies das aber leider nicht zu und der Moment war weg.

Nur, was sollte man daraus schließen? Stimmt, jeder Einzelne von uns ist älter geworden. Stimmt! Na und? Aber was tun wir um unser Hobby weiter zu geben? Wenn man es genau nimmt, eigentlich nichts. Was bringen clubinterne Initiativen? Was bringt, so sinnvoll diese auch sein mögen, die x-te Mitgliederbefragung nebst folgender statistischer Auswertung? Eigentlich auch nicht viel, außer, dass sich einige unterbeschäftigte Rentner (gibt es die wirklich?) auf die Brust schlagen, im Bewusstsein mal wieder etwas für den Verein getan zu haben.

Clubs mit immer höherem Altersdurchschnitt

Woran liegt’s also, dass die Clubs immer mehr in Richtung gehobenem Altersdurchschnitt abdriften? Und, kann man es so einfach auf einen Nenner, auf eine griffige Formel bringen, wie „weil …x y z“? Ich glaube nicht an einfache Antworten, gerade nicht in Sachen Verjüngung von Clubs. Selbst Clubs und Vereine welche länger als der unsere bestehen, kämpfen seit geraumer Zeit gegen die schleichende Überalterung.

Vielleicht liegt es auch in der Sache selbst begründet. Sind Clubs, Vereine, IGs, Stammtische und dergleichen einfach nicht mehr zeitgemäß, nicht „in“?

Schauen wir doch mal verschiedenen Trends in den Oldtimer-Vereinigungen an. Klar, viele haben vor 20-30 Jahren Ihren TR liebevoll restauriert. Ich kann mich daran erinnern, dass in diesem Zeitraum aktives Oldie-Leben pulsierte. Fast im Monatsabstand kam wieder ein neuer Wagen auf die Straße. Natürlich unter lebhafter Beteiligung der Besitzer von laufenden und noch in Restaurierung befindlichen. Mit Sekttaufe und allem Drum und Drann. Selbst Teile wurden an den Stammtischabenden angeschleppt und mehr oder weniger fachmännisch begutachtet. Es wurde diskutiert, verworfen, entwickelt, Ausfahrten spontan organisiert, usw.. Mit Beispielen für ein aktives Clubleben könnte man hier Seiten füllen.

Ja, ja früher war alles besser, oder eben anders. Wann eigentlich ist der Letzte eigenhändig restaurierte Oldtimer am Stammtisch vorgefahren? Um ehrlich zu sein, ich kann mich nicht erinnern. Die Fahrzeuge der Club Mitglieder laufen, was will man mehr?

Clubleben Auffrischen? Halten wir doch mal Ausschau nach Aspiranten

Dann gibt es als Erstes die Neueinsteiger in das Hobby. Aber drücken diese den Altersdurchschnitt merklich? Wohl kaum. Hier haben wir eher die rüstigen Frührentner die, O-Ton: „…schon immer mal so ein Auto haben wollten“. Mit anderen Worten, verliebt in jungen Jahren, verheiratet kurz vor Torschluss. Zu erwarten, dass diese Neueinsteiger sich mit Vehemenz in eine zeitaufwendige Restauration stürzen werden, technische Verbesserungen in Angriff nehmen, sich energisch in die Clubarbeit stürzen oder dergleichen, ist sicherlich zu hoch gegriffen.

Hohe Priorität hat vermutlich die Suche nach einer geeigneten Werkstatt. Starke Identifikation mit dem Wagen? Wenn dann der Oldtimer seine Mucken hat, der Fahrtwind die Partnerin doch zu sehr nervt, ein Windschott zu lächerlich aussieht, das Dach nur mühsam zu bedienen und sowieso undicht ist, ja dann halten wir mal Ausschau nach einer geschlossenen Limousine. Identifikation sieht anders aus. Natürlich gibt es auch hier immer wieder Ausnahmen, aber es sind wenige.

Nichts gegen Neueinsteiger im rüstigen Alter, im Gegenteil, man freut sich doch über jedes neues Gesicht am Stammtisch. Nur, sorry, auch diese retten langfristig die Clubs leider nicht. Weil, sie haben in etwa das gleiche Alter wie die „Altvorderen“ desselbigen.

Woher kommt der Nachwuchs der Oldtimer-Szene?

Dann bleiben uns ja noch die jungen Leute um wieder Leben in die überalterten Clubs zu bringen. Nur, wo sollen die denn eigentlich herkommen? Machen wir es uns einfach, Reden wir mal von dem Jugendlichen dessen Erzeuger einen Oldtimer sein eigen nennt. Den Nachrückern, die Erbengeneration also. Der Vater ist natürlich bestrebt den hoffnungsvollen Nachwuchs an das Hobby heranzuführen. Nicht immer, aber manchmal klappt’s. Umso besser! Damit ist natürlich aber noch lange nicht gesagt, dass wir automatisch ein neues Clubmitglied bekommen. Vielleicht fährt Er oder Sie hin und wieder den Oldtimer. Aber Mitglied in einem Club, einer IG werden?

Ich kenne auch genug negative Beispiele, wie z.B. der Vater einen über Jahre mühsam aufgebauten Triumph dem Nachwuchs zum Geburtstag schenkte. Bei der ersten Panne, Vater im Urlaub, nicht zu erreichen, wurde das defekte Auto an einer Tanke für kleines Geld verhökert. Da hat einer sein Schnäppchen gemacht und ein weiterer Nachwuchsfahrer ist uns so verloren gegangen. Es war eben so recht keine Bindung zum Hobby des Vaters vorhanden. Schauen wir am Stammtisch einfach mal in die Runde, wie viele Nachwuchsfahrer der Erbengeneration die den väterlichen Oldtimer übernehmen könnten im Alter von 18 bis etwa 30 sieht man denn? Wenige, eigentlich keine.

Die Zeiten als der Führerschein noch die Welt öffnete und das erste Auto mit 18, sei es noch eine schlimme Bastelbude, die Zeiten sind vorbei. Irgendwie ist der Autobesitz nicht unbedingt mehr so erstrebenswert bei der jüngeren Generation mit frischem Führerschein. Mithin der Einstieg in eine Leben lange Bastlerkarriere nicht mehr automatisch.

Trotzdem liegt doch noch die Hoffnung bei den Autoaffinen Youngstern, den immer seltener werdenden Schraubern und Autobastlern. Bloß, wo sind die denn nun? Klar, da kommen wir in eine ganz andere Thematik. Die Oldtimer kosten, auch wenn manche im direkten Vergleich mit anderen Oldies immer noch zu moderaten Preisen zu haben sind, für junge Leute ist es trotzdem einfach zu viel. Eben mal 20 – 30 Tausend Euro für ein Hobbyfahrzeug auf den Tisch legen? Da denkt man erst mal an Job, die heute nicht gerade krisensicher sind, Frau, Kinder, Eigenheim usw.. Da kann man keinem verübeln, wenn schon altes Auto, dass dann doch eher mal zu einem erschwinglichen Youngtimer gegriffen wird. Vielleicht im Alter von 40+ kommt dann der Gedanke an einen etwas älteren Oldtimer auf (Ähäm, war bei mir genauso!). Nur, hilft das den Clubs jetzt und heute? Mit Sicherheit nicht.

Nun sehen wir uns doch mal diese letzte Hoffnungsträger Generation 40+ genauer an. Tritt doch schon mal, selten aber immerhin, der Fall ein, dass sich einer dieser Jüngeren(!) an unseren Stammtisch verirrt. Er hat sich doch tatsächlich eine Oldtimer zugelegt oder ist auf der Suche nach einem derartigen Fahrzeug und will sich mal an einem Stammtischabend kompetent beraten lassen. Wir gehen mal positiv davon aus, dass er nett empfangen wird. Aber das kriegen wir ja wohl noch hin? Erst Recht wenn er Fragen zum Thema hat wird sich Ihm eine Schatzkiste an Wissen öffnen. So weit so gut. Wie sieht es dann aber aus wenn das Thema Oldtimer erschöpft ist, alle Fragen nach einigen Besuchen beantwortet sind? Schauen wir uns doch mal gegenseitig an. Was wird ein jüngerer Mensch denn auf den 2. Blick in der Runde feststellen? Geben wir es uns doch selbst zu, er sieht einen Senioren-Stammtisch! Themen wie: Job, Hausbau, Beziehungen, aktiver Sport, Familiengründung, neuste Musiktrends, usw. sind am Seniorenstammtisch eben keine Themen mehr! Über was will sich dieser arme, „jüngere“ Mensch denn noch mit uns Alten unterhalten, außer über alte Autos natürlich? Über den nächsten Arztbesuch, die Bandscheibe, die gelungene OP oder sonstige Zipperlein? Sicherlich nicht, er wird sich nach einiger Zeit sang- und klanglos verdrücken. Verjüngung des Clubs? Fehlanzeige.

Wenn man dieses Umfeld ohne Augenwischerei nüchtern betrachtet und auch noch die inflationär grassierende Umwelthysterie mit einbezieht, kommt man schnell zu einer recht sachlichen Erkenntnis. Die Verjüngung der Clubs und damit die Fortführung derselben ist aus den Clubs heraus eigentlich kaum machbar. Künstlicher Aktivismus bringt, außer einer unstreitigen Beruhigung des eigenen Gewissens, so gut wie nichts. Stimmt, das ist deprimierend, ist aber so.

Wie sagte ein Freund von mir kürzlich: „Vor 50 Jahren habe ich unter dem Auto gelegen und geschraubt und heute tue ich es immer noch. Ja bin ich denn bescheuert?“ Wie langen noch? Mit anderen Worten, fahrt Eure Oldtimer so lange es geht und bei jeder sich bietenden Gelegenheit. Dem ist wohl nichts mehr hinzuzufügen.

Gastautor: Frank Schädlich

 

 

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