Artikelformat

Neander Fahrmaschine

Werbung

Immer wieder versuchen die Classic Days Schloss Dyck den Besuchern besondere Einblicke in die Geschichte des Automobils zu geben. Die Kulturhistorie des Kraftfahrzeugs wird vom 2.-4. August auf vielfältige Weise bei dem Klassiker- und Motorfestival in Jüchen bei Neuss gezeigt. Spannend und rar sind dabei auch immer die interessanten Seitenblicke in der Geschichte der Fortbewegung.

Die Organisatoren der Classic Days – der Verein Freiwilliger mit anerkannter Gemeinnützigkeit – freut sich in diesem Jahr ganz besonders, dass nach längeren Verhandlungen mit dem NEUMANN NEANDER eine ganz besondere Fahrmaschiene am Schloss Dyck gezeigt werden kann.

Dazu wird auch noch passend die Automobilgeschichte der kleinen innovativen Marke und die Firmengeschichte eines regional bedeutsamen Unternehmens ganz aus der Nähe von Schloss Dyck – nämlich aus Düren – erzählt.

Ernst Neumann wurde am 3. September 1871 in Kassel geboren und starb am 3. November 1954 in Düren-Rölsdorf. Berühmt wurde Ernst Neumann-Neander, Sohn des Landschaftsmalers Emil Neumann, nicht nur als Kunstmaler und Grafiker, sondern hauptsächlich als Karosseriedesigner von Automobilen und Motorjachten und motorradbegeisterter Konstrukteur von Motorrädern. Bereits zwischen 1903 und 1908 baute er sein erstes Motorrad.

Neumann-Neander, der erst in seiner automobilen Schaffenszeit den Zusatz „Neander“ zu seinem Namen wählte, wurde von Freunden und Bekannten wegen seiner Vielseitigkeit „N2“ genannt.

Neander Fahrmaschine

Neander Fahrmaschine © Fotoquelle und Bildrechte: Schloss Dyck Classic Days 2013

Er studierte in Kassel, München und Paris Malerei. In seiner Münchner Zeit zeichnete er für die Zeitschriften Jugend und Simplicissimus vor allem Karikaturen des modernen Lebens. Als Zeichner und Plakatgestalter des Jugendstil erlangte er schnell Ansehen weit über München hinaus. Er verfügte aufgrund seiner beruflichen Tätigkeit als – man würde heute sagen „Illustrator“ – schon früh über ein
entsprechendes Einkommen und größere wirtschaftliche Mittel.

Im Jahre 1903 ging er dann für etwa fünf Jahre nach Paris, wo er mit den damals wichtigen Größen der Automobilindustrie in Kontakt kam. Schließlich ließ es sich 1908 in Berlin nieder und gründete die „Ateliers Neumann“, die für alle bedeutenden Hersteller von Automobilen, aber auch andere
Industriezweige die Reklame entwirft. Zusätzlich zeichnet er für verschiedene Auftraggeber der Automobil-Industrie – aber auch für Privatleute – ungewöhnliche Karosserien, die nach seinen Entwürfen ausgeführt werden. Man spricht davon, dass auch Rolls Royce dazu gehört.

1914 stellt man seine Entwürfe und Fahrzeuge auf der „Werkbundausstellung“ in Köln aus. Der Erste Weltkrieg und die folgende Inflation fressen Ernst Neumann Neanders Vermögen gnadenlos auf. Noch in Berlin entwirft er sein erstes Motorrad. 1924 siedelt er nach Köln über und gründet die Neander Motorfahrzeug GmbH mit Sitz in Euskirchen. Hier baut und konstruiert er für die Allright-Werke und für sich selbst Motorräder, die an der ersten großen sportlichen Nachkriegsveranstaltung teilnehmen. Neumann-Neander Fahrzeuge tauchen sogar 1935 und 1938 in den Starterlisten des „Internationalen
Grossglockner Bergrennen“ auf.

Von Köln aus beginnt er eine Motorradproduktion in Euskirchen und siedelt 1926 nach Düren über. In den 1930er Jahren beschäftigt er sich mit der Entwicklung und dem Bau sogenannter Fahrmaschinen, einer Mischung aus Motorrad und Automobil. Der Automobil-Zeichner und Konstrukteur wird zum Hersteller in Kleinserie. Seine Konstruktionen sind geprägt vom damaligen Geschmack und den
Strömungen in der Kunst. Man könnte meinen die Neander-Fahrmaschinen sind – ähnlich wie Rumplers Tropfenwagen – auch Teil von Fritz Langs „Metropolis“.

Überzeichnete Kanten, innovatives Werkmaterial und die eigene Interpretation von „Aerodynamic“ charakterisieren die Fahrmaschinen.

Der Zweite Weltkrieg macht alles wieder zunichte. Dennoch konstruiert Ernst Neumann weiter und entwickelt sowohl einen „Kurvenneiger“ als auch Fahrzeuge für Kriegsversehrte. 1951 beginnt er wieder zu malen. In Rölsdorf gibt es am Fabrikgebäude von Macherey-Nagel, Ecke Bahnstraße/ Neumann-Neander-Straße, eine Gedenktafel. Der „Neander-Schuppen“, in dem die Konstruktionen entstanden, steht heute noch.

Bei den Classic Days 2013 wird mindestens eine Fahrmaschine des Konstrukteurs Ernst Neumann Neander zu sehen sein. Sie startet vom Hochschloss aus dem alten Fahrerlager im Schloss durch die
Tulpenbaum-Allee zum Start auf der Rundstrecke bei den „Racing Legends“.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Classic Days 2013: Das Programm.

Werbung

 

Werbung

 

Danke sagen!
Die Redaktion freut sich über eine kleine Unterstützung von 5,00 € oder das Teilen des Beitrags: