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Camping mit „Graziella“, „Yvonne“ und „Ekstase“

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Das waren noch Zeiten, als Wohnwagen klangvolle Namen wie „Graziella“, „Yvonne“ oder „Ekstase“ trugen. Diese Zeiten leben bei den 8. Schloss Dyck Classic Days vom 2. bis 4. August wieder auf. Der Bereich für Veranstaltungen „Nostalgic Journeys“ ist dem historischen Camping gewidmet und zeigt die Wohnwagenwelt zwischen den frühen 50er und späten 70er Jahren.

Die Vielfalt der Konstruktionen beeindruckt dabei ebenso wie der mit erheblichem Restaurierungsaufwand verbundene Erhaltungszustand der Exponate. Die „Nostalgic Journeys“ sind der einzige Teil der Classic Days, der Tag und Nacht bewohnt wird. Die Besitzer bieten sozusagen ein belebtes Museum.

Die deutsche Caravanindustrie startete etwas später als die britische oder französische, ihre Pioniere heißen Arist Dethleffs und Hans Berger. Hans Bergers Wohnwagen galten zu ihrer Zeit als das Non-plus-Ultra und der ausgestellte „Sport Berger R4“ zeigt mit seinem Holzfeuerungsherd und –ofen, dass mit ihm 1952 schon Wintercamping möglich war. Billiger Urlaub war das nicht: Der Wohnwagen kostete mit 5.100 Mark rund ein Viertel mehr als ein VW Käfer jener Jahre. Ein Produkt der Firma Dethleffs, die noch heute zu den großen Marken im Caravanbau zählt, ist auch zu bewundern, ein „Pirat“ von 1964, als man Herde ebenso mit Flüssiggas versorgte wie Innenlampen.

VW T1 Camping

VW-T1 © Fotoquelle und Bildrechte: Petra Sagna / Schloss Dyck classic Days 2013

Der in diesem Jahr verstorbenen Grandseigneur der deutschen Caravan-Industrie Erwin Hymer ehren die „Nostalgic Journeys“ mit drei Eriba Puck, die den Nukleus seines riesigen Firmenimperiums darstellen. Flugzeugkonstrukteur Hymer, der zuvor den Zündapp Janus entwickelt und bei Claudius Dornier gearbeitet hatte, baute diese Wohnwagen wie einen Flugzeugrumpf, mit einer dünnen, aerodynamischen Aluminiumhaut auf einem Spantengerippe aus Stahlrohr. Das geht auch eine Nummer größer, wie der amerikanische Airstream Overlander bezeugt, der dem gleichen Bauprinzip folgt.

Flugzeugkonstrukteure hatten mehrfach Gefallen am Caravan. Auch die belgische Marke Constructam ist ein Derivat der Avionik. Ihre metallene Unterschale wird von einer Oberschale aus Kunststoff gekrönt, was zu tiefem Schwerpunkt bei geringem Gewicht führt. Die Fahreigenschaften der optimierten Teardrop-Form sind deshalb legendär. Zwei verschiedene „Comet“-Typen dieses Herstellers bereichern die „Nostalgic Journeys“. Mit Oberschalen aus Kunststoff hielten sich Levante, Biod und Fahti nicht auf. Alle drei Caravanmarken stehen für die „Bubble-Ära“ der rundum gerundeten Plastik-Anhänger. Ihre Modellnamen sprechen für sich: Graziella, Luxus und eben Eksatse.

Seit es Caravans gibt, fährt der Wunsch mit, sie mögen außen kleiner als innen sein, damit man sie bequem ziehen kann. Viele Konstrukteure verlegten sich deshalb auf‘s Falten und Klappen. Drei unterschiedliche Konzepte gibt es bei den „Nostalgic Journeys“ anzusehen: Die Austermann „Knospe“ aus den 50er Jahren erblüht über einen patenten Kurbelmechanismus zu bewohnbarer Breite, ist zum Fahren aber hoch und schmal. Im Heinemann Faltcaravan vom Beginn der 70er entfaltet sich hingegen ein respektables Familienzelt aus einem Gepäckanhänger, der sich bei der Fahrt flach hinter sein Zugfahrzeug duckt. Der französische Hersteller Rapido hat dieses Prinzip dann Ende der 70er Jahre zu einem ruck-zuck (frz: rapide) aufgebauten Klappcaravan mit festen Wänden optimiert, der sogar zum Wintercamping taugt. Dass dabei die Romantik der frühen Jahre etwas abhanden gekommen war, mag man am pragmatischen Modellnamen „Export“ ablesen.

Im belebten Museum des historischen Campingplatzes bei den Classic Days freuen sich die Besitzer auf neugierige Fragen. Alle Wohnwagentüren stehen offen und Besucher sind immer willkommen.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Classic Days 2013: Das Programm.

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