Artikelformat

FIAT „Mefistofele“

Werbung

Aus dem Werksmuseum in Turin wird vom 2. – 4. August 2013 beim Klassiker- und Motorfestival Schloss Dyck mit Unterstützung von FIAT Deutschland eine „höllisch“ gute Fahrmaschine an den
Start gehen: Der FIAT „Mefistofele“ aus dem Jahr 1923.

Mit einem Sechszylinder-Motor und dem sagenhaften Hubraum von 21,7 Liter sollte der Wagen – gebaut vom Britischen Rennfahrer Ernest Eldridge – das Zeug zum Rekordbrecher bei den damaligen Landgeschwindigkeitsrekorden haben.

FIAT Mefistofele

FIAT Mefistofele © Fotoquelle und Bildrechte: Schloss Dyck Classic Days 2013

Der FIAT Mefistofele ist ein waschechtes Weltrekordfahrzeug, das auf einem Rennwagen vom Typ SB4 des italienischen Automobilherstellers Fiat basiert. Der Brite Ernest Eldridge erstellte auf dieser Basis den als „Mefistofele“ bezeichneten Wagen als Eigenbau und brach mit ihm im Jahr 1924 den
Landgeschwindigkeitsrekord.

Das Basisfahrzeug wurde im Jahr 1908 als FIAT SB4 für Rundstreckenrennen gebaut und war seinerzeit mit einem 18.146 cm³ großen Vierzylindermotor mit etwa 175 PS (129 kW) ausgestattet. 1922 wurde der zwischenzeitlich havarierte und nicht mehr einsatzfähige Rennwagen von Ernest Eldridge aus dem Vereinigten Königreich erworben und im Jahr 1923 zu einem Rekordwagen umgebaut. Hierfür verlängerte Eldridge den Leiterrahmen im Bereich des Vorderwagens, um Platz für einen 21,7-
Liter-Sechszylinder-Reihenmotor vom Typ FIAT A.12 zu schaffen. Man spricht davon, dass er hierfür aufgrund des Anspruchs an die Stabilität Teile eines Bus-Chassis verwenden ließ.

FIAT Mefistofele

FIAT Mefistofele © Fotoquelle und Bildrechte: Octane / Schloss Dyck Classic Days 2013

Dieser Motor stammte aus einem Kampfflugzeug des Ersten Weltkriegs. Seine Leistung beträgt rund 320 PS (235 kW). Am 12. Juli 1924 befuhr Eldridge gemeinsam mit seinem Copiloten und Mechaniker John Ames eine gerade Landstraße in Arpajon bei Paris und stellte dort den Weltrekord von 234,980 km/h auf. Die Nachricht zu diesem Rekord ging um die Welt.

Für die Rekordfahrt war der Motor modifiziert worden: Er hatte vier Ventile und vier Zündkerzen pro Zylinder erhalten. Aus einem mitgeführten Druckbehälter wurde den beiden Vergasern reiner Sauerstoff zugeleitet. Die Aufgabe des Copiloten bestand darin, die Kraftstoffzufuhr mittels einer manuell betätigten Pumpe aufrecht zuerhalten.

Später wurde das Fahrzeug durch den FIAT-Chef Gianni Agnelli aufgekauft und in die Werkssammlung (heutiger Name Centro Storico Fiat Lancia) in Turin aufgenommen. Während der Wagen zum Zeitpunkt von Eldridges Rekordfahrt schwarz lackiert war, erhielt er später von Fiat eine Farbgebung in dem seinerzeit markentypischen „rosso corsa“.

Mefistofele ist keine originär von FIAT oder Eldridge vergebene Typenbezeichnung, sondern ein Spitzname, der dem Fahrzeug von Zuschauern der Rekordfahrt und von der Presse verliehen wurde. Der Name bezieht sich auf Mephistopheles, den satanischen Dämon, der dem Doktor Faust die Seele abkauft. Und nicht nur der Höllenlärm, den der mächtige Motor macht, erinnert an einen Dämon, sondern auch die Fahrt – sie gleicht einem Ritt auf der heißen Kanonenkugel.

Der von Eldridge am 12. Juli 1924 erreichte Wert von fast 235 Stundenkilometern war der letzte Landgeschwindigkeitsrekord, der auf einer öffentlichen Straße aufgestellt wurde. Einmalig – genau wie das Fahrzeug.

Hinweis für Kenner und Fachleute: Die Bezeichnung Mefistofele gibt die italienische Schreibweise des Fahrzeugnamens wieder. Diese befindet sich auch als Schriftzug an beiden Außenseiten des Wagens. An der hölzernen Spritzwand im Motorraum ist eine Messingplakette angebracht, auf der die international gebräuchlichere, an das Griechische angelehnte Version Mephistopheles zu lesen ist.

Nah genug, um all diese Details am Mefistofele zu erkennen, werden die Besucher der Classic Days dem roten Teufel mit Sicherheit kommen können, denn der Wagen wird aus dem neuen Fahrerlager heraus starten und in einem ganz besonderen Lauf auf der fast drei Kilometer langen Rundstrecke zu sehen sein. Freuen Sie sich auf das Erzittern der Bergahorn-Allee, wenn Mefistofele seine Runden dreht.

Nach fünf Jahren, in denen sich die Initiatoren des Klassikerfestivals zur Erhaltung von Schloss und Parkanlagen um den Start des Fahrzeugs bei den Classic Days bemüht haben, kommt nun im achten Jahr der großen bunten automobilen Gartenparty ein echter historischer Leckerbissen zum Schloss Dyck.

Weitere Informationen finden Sie im Artikel Classic Days 2013: Das Programm.

Werbung
Werbung

 

Werbung

 

Danke sagen!
Die Redaktion freut sich über eine kleine Unterstützung von 5,00 € oder das Teilen des Beitrags:

Zum Lesen und Ansehen empfohlen