Konstrukteur Ledwinka auch in Tschechien geehrt

Ing. Hans Ledwinka war der führende Autokonstrukteur im Tatra-Werk in Kopřivnice (deutsch: Nesselsdorf), während mehrerer Jahrzehnte. Seine Patente und Konstruktionen fanden Anwendung auch in anderen Branchen.

Eine bedeutende Konstruktion war die eines zuverlässigen luftgekühlten Motors, der mit 2- und 4-Zylindern in kleinen Personenwagen (T 12 und T 57) oder bis zu 12 Zylindern in Lastwagen (T 111) bei Tatra verbaut wurden. Mehrere Lizenzen wurden vergeben, so nach Deutschland, Frankreich, Österreich und den Niederlanden.

Hans Ledwinka  vor Tatra T87
Hans Ledwinka vor Tatra T87 © Fotoquelle und Bildrechte: Tatratrucks

Das „zentrale tragende Rohr“ war eine weitere Erfindung von Hans Ledwinka und gilt bis heute als die solideste Verbindung zwischen Motor, Getriebe und der Hinterachse. Sogar Motorräder wurden damit ausgestattet. Seine serienmäßig hergestellten aerodynamischen Autos bei Tatra aus den 30er Jahren, T 77, T 87 mit Achtzylinder Heckmotoren und deren kleiner Bruder T 97 waren damals eine wahre Revolution.

Ledwinkas Rolle während des Zweiten Weltkrieges wurde von den Kommunisten in der Tschechoslowakei missverstanden und er wurde wegen Kollaboration mit den Nazis verhaftet und nach einem Schauprozess für Jahre im Gefängnis gehalten. Nach seiner Entlassung 1954, wurde er nach Deutschland abgeschoben. Auch dort arbeitete er als Autokonstrukteur u.a. am Kleinwagen Spatz. Hans Ledwinka starb 1967 in München.

1992 wurde Ledwinka vom Obersten Gericht der damaligen Tschechoslowakei vollständig rehabilitiert. Seine Verdienste im Automobilbau wurden überall mit Ehrungen (Ehrendoktorat) gewürdigt – außer in der Tschechoslowakei. Trotz mehrmaligen Anläufen bei der Regierung, in der Region, in der Stadt Koprivnice, die er berühmt gemacht hatte, wurden immer wieder unter fadenscheinigen Begründungen abgelehnt. Zu tief war seine vermeintliche Nazinähe im Gedächtnis der Bevölkerung eingeprägt.

Urkunde über die Ledwinka Ehrenbürgerschaft
Urkunde über die Ledwinka Ehrenbürgerschaft

Die Tatra-Clubs, deren Vorstände liessen nicht locker und die Bemühungen von vor allem AAlena Čípová und Karel Rosenkranz waren schließlich erfolgreich. Alena Čípová ist seit vielen Jahren die Präsidentin des größten Tatra-Clubs in Tschechien und eine Aktivistin mit Herz und Blut für die „Sache“ Ledwinka. Karel Rosenkranz war jahrelang Direktor des Tatra-Museums in Koprivnice und ist ein bekannter Automobilia Historiker. Man sagt über ihn, dass er eine wandelnde Enzyklopädie sei. Rosenkranz ist Autor von mehrerer Büchern über Tatra – ob Personenwagen oder Lastwagen und Geschichte des Automobilbaus in der Region Norden von Mähren. Ausserdem ist er ein begabter Zeichner und seine Kalender und Illustrationen sind weit über die Grenzen bekannt.

Überreichung der Urkunde
Überreichung der Urkunde von links nach rechts: L.Palka (Tatra-Club) – Karel Rosenkranz – Irena Rosenkranz – Alena Čípová

Der Bekanntheisgrad beider Protagonisten hat bestimmt etwas geholfen, dass im September 2018 die Ehrenbürgerrechte für Hans Ledwinka, von der Stadt Koprivnice, spruchreif wurden. Der Bürgermeister Ing. Miroslav Kopecny, überreichte die Urkunde an die ranghöchsten Tatra-Oldtimer-Repräsentanten, eben an Frau Čípová und Herrn Rosenkranz.

Nun ist die Weiterleitung an die Familie Ledwinka an der Reihe. In Tirol lebt sein
Enkel, Dr. Hans Ledwinka, den wir mit Hilfe der Autoren des Buchs über Vater und Sohn, Hans und Erich Ledwinka (G.Nagenkögl, H.Stögmüller, Akaziaverlag) „gefunden“ haben. 


Wir freuen uns schon darauf, wenn die Urkunde endlich in die richtigen Hände kommt. „Quid valet expectans“ Was lange währt, wird endlich gut, aber nicht ohne etwas Wehmut.

Text: Georg W.Pollak, Fotos: Alena Čípová

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