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Das historische Plagiat: Citroen 5CV – Opel Laubfrosch

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Erinnern wir uns. Der im Jahr 1922 vorgestellte Kleinwagen Citroën Typ C, auch als Citroën 5 HP oder Citroën 5 CV bekannt wurde bis 1926 mit rund 80.000 Fahrzeugen gebaut. Der Typ war für den französischen Hersteller ein großer Erfolg. Maßgeblicher Konstrukteur des Modells war Edmond Moyet. Der Citroën Typ C Torpedo hatte nur eine Tür, die auf der Beifahrerseite lag, während auf der Seite des Fahrers das Ersatzrad platziert war.

Citroen 5CV in den 50er- oder 60er-Jahren

Citroen 5CV in den 50er- oder 60er-Jahren © Fotoquelle und Bildrechte: Sammlung Michael Schlenger

Ein schönes Zeugnis des Citroen 5CV. Als das Bild entstand, war der Citroen schon fast 40 Jahre alt und wurde offenbar immer noch im Alltag genutzt.

Interessant war, dass der Wagen möglicherweise in der Anfangszeit nur in der Farbe Gelb geliefert wurde. Das Fahrzeug hatte einen 4-Zylinder-Motor mit einem Hubraum von 856 cm³ und einer Leistung von bis zu 11 PS. Im Jahr 1923 wurde der Typ C durch den Typ C2 ersetzt, der seinerseits ein Jahr später von dem Typ C3 abgelöst wurde. Ab 1923 gab es den Typ C auch als Cabrio. Der Typ C3 wurde bis Ende 1926 produziert.

Doch auch in Deutschland versprach man sich von dem damaligen Kleinwagen ein gutes Geschäft und Opel brachte den Opel 4/12 PS als Plagiat des Typ C heraus. Der offene Zweisitzer wurde von 1924 bis 1931 in Rüsselsheim mit etwa 120.000 Exemplaren gefertigt. Mit seinem 12 PS starken Ein-Liter-Motor erreicht der 3,20 Meter lange und 570 Kilogramm leichte Wagen eine Höchstgescheindigkeit von 60 km/h. Der Opel Laubfrosch, wegen der grünen Farbe, war das Auto für Jedermann und in Deutschland der Kassenschlager mit einem damaligen Neupreis von nur 4.500 Reichsmark. Der Opel 4/12 PS war das erste Auto, welches in Deutschland in Großserie am Fließband hergestellt wurde. Die Herstellung am Fließband sorgte für einen relativ erschwinglichen Preis, das „Auto des kleinen Mannes“ war geboren. Der offene Zweisitzer Opel 4/12 PS Laubfrosch hat ein Klappverdeck als Wetterschutz und sogar einen hinter der Sitzbank integrierten Kofferraum. Bereits im November 1924 gesellten sich zum Opel 4/12 PS Zweisitzer-Spitzheck-Wagen ein offener Tourer mit drei Sitzen, eine geschlossene Limousine mit drei Sitzen und ein Lieferwagen. Heute sind die 4/12-PS-Modelle eine wahre Rarität. In Europa gibt es lediglich noch rund 100 fahrbereite Exemplare.

Opel 4/12 PS

Opel 4/12 PS © Fotoquelle und Bildrechte: Sammlung Michael Schlenger

Bei dem Opel auf dem Foto sieht man deutlich die Gebrauchsspuren am Fahrwerk, obwohl er sonst noch ziemlich gut dasteht.

Citroën klagte, aber das Gericht wies die Klage zurück mit dem Verweis auf den unterschiedlichen Kühlergrill. Sichtbarer Unterschied war die Farbe: Opel lieferte den Wagen in grüner Farbe.

Automobil-Historiker haben herausgefunden, dass beide Fahrzeuge auch in anderen Farben geliefert worden sind. Bei der Unterscheidung beider Fahrzeuge ist der abweichende Kühlerpartie entscheidend und beim Citroën 5 CV das blau unterlegte Emblem im Kühlergrill.

Opel Laubfrosch 1924

Opel 4 PS genannt Laubfrosch 1924 – Restauriertes Fahrzeug im Opel Fundus © Fotoquelle und Bildrechte: © Opel

In diesem Zusammenhang möchte ich auf den Beitrag Wie Peugeot bereits mit Deutschen Herstellern kooperierte, denn Opel gehört nun zur Groupe PSA mit den Marken Peugeot und Citroën.

Die Fotos zeigen Originalfahrzeuge im Firmenmuseum von Citroën bei Paris. Es mag sein, dass viele der ersten Exemplare nur in gelb angeboten wurden, aber jeder Geschäftsmann richtet sich nach der Nachfrage.

Am 25. Juni 1927 wies das Kammergericht Berlin die Klage endgültig ab. Auch wenn es frappierende Ähnlichkeiten zwischen den beiden Autos gab, so waren in Details ausreichend Unterschiede vorhanden, die den simplen Plagiatsvorwurf nicht rechtfertigen konnten. Der Opel wurde zu diesem Zeitpunkt übrigens schon längst nicht mehr gebaut!

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