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Vergessene Autohersteller in Berlin vor dem 2. Weltkrieg

Es ist die Zeit nach dem 1. Weltkrieg in Berlin-Adlershof. Dort gab es ein Flugfeld Johannisthal und rund um das Flugfeld waren viele großflächige Fabrikgebäude angesiedelt, in denen zurzeit des 1. Weltkrieges Flugzeuge produziert wurden, zum Beispiel von Rumpler, Albatros und anderen. Nach dem Kriegsende durften laut dem Versailler Vertrag keine Flugzeuge mehr in Deutschland gebaut werden.

In diesen jetzt leerstehenden großen Hallen siedelten sich einige ausländischen Automobilfabriken an, zum Beispiel Chrysler, Graham-Paige, Ford und die AMBI-Gruppe mit dem Budd-Presswerk. Im Budd-Presswerk wurden bis 1945 Ganzstahl Karosserien für viele Autofirmen produziert.

Austin und Willys aus Berlin

Austin und Willys aus Berlin
© Fotoquelle und Bildrechte: verlagkraftakt

Crossley produzierte seit 1891 Schweröl-Motoren und ab 1903 Automobile in Manchester, Großbritannien. Willys Overland schloss 1919 einen Vertrag mit Crossley zum Bau von kleinerer PKW in großen Stückzahlen. Wenig bekannt in Deutschland ist auch der Crossley RE Streamline.

Wenig bekannt ist das Unternehmen Willys Overland Crossley, das am 13.09.1927 im Handelsregister eingetragen wurde. Es war ein Gemeinschaftsunternehmen von Willys Overland (USA) und Crossley (GB) an der Rudower Chaussee in Berlin-Adlershof. Aus dem Handelsregister gelöscht wurde die Firma erst 1972.

Im Sommer 1928, also nach weniger als einem Jahr, wurde bereits der 1.000 Wagen aus der Fabrik in Adlershof ausgeliefert. Gebaut wurden die Typen Willys Knight und Overland Whippet in verschiedenen Versionen.

Auch BMW baute in einer angemieteten Halle am Rande des Flugfeldes ab 1929 etwa 2.000 Limousinen des Typs 3/15 (BMW Dixi). Nach dem Auslaufen des Lizenzvertrages zwischen BMW und Austin im Jahr 1932 wurde der kleine Austin Seven in verschiedenen Varianten von Willys Overland Crossley produziert. Etwa 700 Fahrzeuge wurden in Deutschland zugelassen und eine unbekannte Zahl bis 1939 exportiert.

Diese Fakten und viel mehr Details hat Klaus Gebhardt in einem Buch mit 95 Seiten in langjähriger Arbeit und Sammelleidenschaft zusammen getragen und in dem lesenswerten Buch „Austin und Willys aus Berlin“ (ISBN-13: 978-3938426166) veröffentlicht. Es ist ein Beitrag zur Automobilgeschichte in Deutschland und heute eine der vielen toten Marken.

 

 

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