Das Erlebnis „Automuseum“ kann eine Oldtimerrallye nicht ersetzen

„Oldtimer gehören auf die Straße und nicht als Stehzeuge ins Museum. Es sind Fahrzeuge, verdammt noch mal!“

Diesen Spruch bekommt man immer wieder zu hören. Meistens von einem, der sich mit seinem Oldie gerade mal auf der Straße befindet. Er hält sich in diesem Punkt für ungemein zuständig. Ich danke ihm, denn er hat Fritz B.Busch zu der nachfolgenden Kurzgeschichte inspiriert.

„Werte Herren!
Ich bin froh, Ihre Anschrift bekommen zu haben, denn wie ich höre, könnten Sie mir bestimmt behilflich sein. Ich besaß Mitte der 50er Jahre eine Isabella von Borgward – das schönste Auto, das je gebaut wurde. Und weil ich häufig von diesem herrlichen Wagen schwärme, möchten ihn meine Enkel einmal sehen. Aber wie und wo? Es heißt, Sie können mir einen Tipp geben.
Hochachtungsvoll, Sebastian Sumpf, Kleinwurmsen, Eimergasse 5.“

Borgward Isabella
Borgward Isabella

„Sehr geehrter Herr Sumpf, ja wir können. Es gibt da einen Herrn Flimser in Unterfurt. Er besitzt eine solche Isabella und fährt mit ihr jeden zweiten Samstag zu seiner Mutter, die ihm die Wäsche wäscht. Sie wohnt in Hinterfurt, zwischen Unter- und Oberfurt. Wenn Sie sich mit Ihren Enkeln einmal samstags auf diesem Streckenabschnitt auf die Lauer legen, könnte es klappen, dass Sie Ihre geliebte Isabella zu Gesicht bekommen.“

„Werte Herren,
nun habe ich vier Samstage lang von früh bis spät mit meinen Enkeln an besagter Stelle gezeltet, aber die Isabella des Herrn Flimser nie zu Gesicht bekommen. Es fuhr überhaupt kein altes Auto vorbei. Nur einmal ein VW, aber den kennt man ja zur Genüge. Was soll ich tun?“

„Lieber Herr Sumpf!
Das ist uns aber peinlich. Was wir zu spät erfuhren, ist dieses: Herr Flimser ist verzogen. Er wohnt jetzt in Kleinsimpeln in Niederbayern. Die Adresse liegt bei. Seine Mutter, die ihm die Wäsche wäscht, lebt hingegen weiterhin in Hinterfurt. Vielleicht ist es Ihnen ja möglich, mit Ihren Enkeln einmal im Raum Kleinsimpeln der Isabella des Herrn Flimser aufzulauern. Er fährt ab und zu damit herum.
Viel Glück und mit vorzüglicher Hochachtung.“

„Werte Herren!
Vielen Dank für Ihre Mühe, von der ich aber keinen Gebrauch machen kann, denn nach Niederbayern komme ich so gut wie nie. Nun wäre es aber möglich, dass Sie mir doch helfen können. Als ich die Isabella besaß, war mein Traumwagen das Isabella Coupé in Creme mit roten Kunstledersitzen und Heckflossen. Meine Enkel würden es fast noch lieber sehen. Können Sie mir da noch einmal helfen?“

Borgward Isabella Coupé mit Heckflosse
Borgward Isabella Coupé mit Heckflosse

„Lieber Herr Sumpf,
Da haben Sie ins Schwarze getroffen. Nach unseren zuverlässigen Informationen nimmt der Besitzer eines exakt solchen Wagens am 28. dieses Monats an der Oldtimerrallye ‚Rund um den Ziegelberg’ teil. Start der Fahrzeuge um 8 Uhr in der Frühe vor der Senffabrik. Also auf! Das ist ja ganz in Ihrer Nähe.“

„Werte Herren,
Ja, wir waren da. Nicht aber der Herr mit dem Isabella Coupé, cremefarben mit roten Kunstledersitzen und Heckflossen. Wie wir hörten, hat der Herr einen Riss im Zylinder, und zwar im dritten und im letzten Moment. So ein Pech. Es war nur ein Borgward da, ein Goliath mit nur drei Rädern. Ich konnte meine Enkel kaum beruhigen. Trotz allem Dank für Ihre Mühe. Ich suche weiter.“

Die Sekretärin der werten Herren, ein Fräulein Ilona Hitzig, deren augenblicklicher Zeitvertreiber einen Triumph Spitfire fährt, konnte es nicht mehr mit ansehen. Sie verriet Sumpfen ohne Absender die Anschrift eines Oldtimer Museums „ganz in Ihrer Nähe“, von dem sie mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit wusste, dass es eine Isabella und ein Isabella Coupé beherbergt.

Sumpfens Rettung!

Und weil da nur Stehzeuge waren, in gutem Zustand, fast wie ladenneu, gut ausgeleuchtet, als stünden sie in Sumpfens besten Tagen im Schaufenster, konnten sie sich alle genüsslich an ihnen satt sehen und Sumpfens unversiegbare Begeisterung nachvollziehen. Genau! So muss es damals gewesen sein, als Opa Sebastian die Nerven verlor und sechsunddreißig Wechsel unterschrieb.

Anschließend gab es auf der Terrasse des Cafés gegenüber noch einen Eisbecher zu der Melodie „Komm ein bisschen mit nach Italien, komm ein bisschen mit ans blaue Meer“. Es war ein richtig schöner Tag.

Nur als sie draußen vor dem Museum in ihr Auto steigen wollten, hörten sie einen Herrn, der von seinem Fahrersitz aus lauthals in die Runde dröhnte, sagen: „Oldtimer gehören auf die Straße. Als Stehzeuge im Museum haben sie nichts zu suchen“.

Er fuhr ein Käfer Cabrio in Silbermetallic, tiefer gelegt, mit Alufelgen, Breitreifen und einem Sportlenkrad.

Und an ein solches konnte sich Sebastian Sumpf nun überhaupt nicht erinnern.

Quelle Text: Fritz B. Busch

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