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Raritäten aus der Frühzeit des Automobils im Rheinland

Zurück zu den Ursprüngen des Automobils war auch 2015 wieder das Motto der großartigen Veranstaltung für Automobile aus der Messingära. 50 Fahrzeuge ab Jahrgang 1899 waren bei der „Mühlen-Fahrt“ und der „Kronprinz Wilhelm Rasanz“ am letzten Mai-Wochenende ab Schloss Krickenbeck dabei. Kaiser Wilhelm II- (1859-1941) irrte seinerzeit gewaltig mit seinem Meinung: “Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist nur eine vorübergehende Erscheinung.” Schon vor dem 1. Weltkrieg hatte sich die „Motorkutsche“ als das Fortbewegungsmittel der Zukunft etabliert.

Benz 8/20 Baujahr 1913

Benz 8/20 Baujahr 1913

Die Einstellung zu Mobilität und Technik haben sich im Laufe der letzten mehr als 100 Jahre stark verändert. Die Veranstalter Simone und Marcus Herfort (passion & legends) trugen dem Rechnung und sorgten dafür, dass es auch für Kinder und jüngere Menschen ein erlebnisreiches Wochenende war. Bei den Teilnehmern waren dementsprechend erfreulich viele Familien aus verschiedenen Ländern angereist. Der jüngste aktive Teilnehmer war 4 Jahre jung.

Einsätze von Fahrzeugen aus der Zeit vor dem 1. Weltkrieg und danach werden leider immer rarer im
Veranstaltungskalender in Deutschland. Grund sind wohl die Überalterung der Szene und die Vernachlässigung der Fahrzeuge aus dieser Epoche in der hiesigen Fachpresse. Das ist auch ein Grund, warum viele der erhaltenen Fahrzeuge nur noch in Museen zu finden sind oder sich in privaten Garagen die Reifen platt stehen.

Die Automobile aus den Anfängen der motorgetriebenen Mobilität zeichnen sich durch eine Vielfalt an Herstellern, Karosserieformen und technischen Konzepten aus, wie sie es wohl später nie wieder gegeben hat. Ob Anordnung und Aufbau von Motor und Fahrwerk, ob Platzierung von Kühler und Tank, ob Dimensionierung und Betätigung der Bremsen: Die Fahrzeuge der Zeit vor dem 1. Weltkrieg sind besonders reich an erfahr- und erfassbarem technischen Anschauungsmaterial für den Enthusiasten. Kaum wurde eine Motorhaube geöffnet, scharten sich viele Teilnehmer um das Fahrzeug, lauschten der Vorführung des jeweiligen Besitzers, genossen Startprozedur und Motorgeräusch. Dabei verstanden es viele Fahrzeugeigner, lehrreich und unterhaltsam zu vermitteln, was gerade ihren Wagen so besonders auszeichnet.

Für den Berichterstatter war die Standfestigkeit der Technik über 109 km bei der Ausfahrt am Samstag und 120 km am Sonntag von Schloss Krickenbeck nach Schloss Dyck und zurück nicht erstaunlich. Denn alle Fahrzeuge wurden vor dem Start ausgiebig gewartet, mit reichlich Schmiermitteln versorgt und anschließend von kundiger Hand über die abwechslungsreiche Strecke gesteuert. Bei kleinen Pannen bewährten sich die intensive Vertrautheit der Besitzer mit ihren Fahrzeugen ebenso wie die professionelle Unterstützung des Begleitteams.

So konnte auch das zeitweise durchwachsene Wetter dem Gelingen der Veranstaltung und der guten Laune der Teilnehmer keinen Abbruch tun. Erfreulich war nicht zuletzt, dass bei der nunmehr dritten Ausgabe der „Kronprinz Wilhelm Rasanz” im Rheinland, etliche Teilnehmer in historischer Kleidung auftraten.

Sicherlich ist die An- und Abreise mit einem Fahrzeug aus der Frühzeit des Automobils nach Schloss Krickenbeck aufwendig, denn es ist ein Zugfahrzeug und ein geschlossener Transportanhänger notwendig. Ein Video mit dem Titel Veteran & Antique Cars (1) berichtet. Doch der exklusive Rahmen, das perfekte Programm und das gemeinsame Erlebnis so vieler einzigartiger Fahrzeuge in Bewegung entschädigt für den großen Aufwand.

Zu wünschen bleibt, dass es künftig wieder mehr Veranstaltungen in Deutschland für Fahrzeuge der Messingära gibt und dass auch die heranwachsende Generation den immateriellen Wert dieser automobilen Zeitzeugen erkennt.

Webseite: www.anno-1907.de

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