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Schwedische Amazone wurde 60

Er gilt heute als Ikone zeitlos schönen Automobildesigns. Es war die weltweite erste viertĂŒrige Limousine mit serienmĂ€ĂŸigen Drei-Punkt-Sicherheitsgurten. Vor 60 Jahren, am ersten September-Wochenende 1956, feierte der Volvo P 120 Amazon in der mittelschwedischen Stadt Örebro seine Weltpremiere.

Volvo Amazone

Volvo Amazone alias Volvo 121

Gezeichnet wurden die Linien des P 120 vom damals erst 26-jĂ€hrigen Jan Wilsgaard, dem spĂ€teren langjĂ€hrigen Leiter des Volvo-Designzentrums. Den anfĂ€nglich ausschließlich viertĂŒrigen Amazon gestaltete der erst vor wenigen Wochen im Alter von 86 Jahren verstorbene Wilsgaard in damals neuartiger Pontonform mit feinen Stilelementen aus der italienischen, britischen und amerikanischen Designkultur. Dagegen verkörperten die massiven, TĂŒren und die hohe GĂŒrtellinie Sicherheit, wĂ€hrend die Front mit der V-förmigen Motorhaube dem Auto eine sportliche Note verlieh. Gesteigert wurde das attraktive Äußere der 4,45 Meter langen Limousine durch eine Zweifarb-Lackierung, die in den Modelljahren 1957 bis 1959 serienmĂ€ĂŸig war. Angeboten wurden Kombinationen aus schwarz, mitternachtsblau oder rubinrot lackierten Karosserien mit hellgrauem Dach oder aber eine hellgraue Karosserie mit schwarzem Dach. Ab 1959 wurden alternativ einfarbig lackierte Volvo P 120 Amazon angeboten, die dann mit Modelljahr 1962 alle zweifarbigen Versionen ablösten.

1959 zogen auch serienmĂ€ĂŸig Drei-Punkt-Gurte vorne und Befestigungspunkte fĂŒr Fond-Sicherheitsgurte in die Baureihe ein. Weitere Sicherheitsmerkmale waren das gepolsterte Armaturenbrett und die Zweikreisbremsanlage. Alle gefĂ€hrdeten Bauteile wurden zum Rostschutz im Warmbad verzinkt – eine seinerzeit revolutionĂ€re Maßnahme, die auch dazu beitrug, dass der Volvo P120 Amazon eine weit ĂŒberdurchschnittliche Lebenserwartung hatte.

Mit der Namensgebung fĂŒr die nordische Mittelklasse erinnerten die Schweden an die Amazonen, die Kriegerinnen der griechischen Mythologie, die mit Pfeil und Bogen kĂ€mpften. Die anfĂ€nglich Volvo Amason (mit „s“ geschrieben) genannten Fahrzeuge Ă€nderten ihren Namen 1957, kurz vor Anlauf der Großserienproduktion, in das internationaler klingende Amazon. Allerdings hatte der deutsche Motorradhersteller Kreidler zu dieser Zeit bereits die Namensrechte fĂŒr sein neues Moped Amazone in den wichtigen SchlĂŒsselmĂ€rkten schĂŒtzen lassen.

Volvo erreichte schließlich eine Vereinbarung, nach der die schwedischen Modelle in Skandinavien als Volvo Amazon vermarktet werden durften. In allen anderen LĂ€ndern dagegen nannte sich der Standardtyp nur Volvo 121 und die sportliche Version Volvo 122. Die 1961 eingefĂŒhrten Kombis wurden entsprechend Volvo 221 und Volvo 222 genannt. Weltweit bekannt und beliebt wurden die Fahrzeuge dennoch unter dem Namen Volvo Amazon.

Volvo Amazone Sport

Volvo Amazone Sport

Schon 1958 erweiterte Volvo das Typenangebot. Passend zum offiziellen deutschen Vertriebsstart der schwedischen Marke debĂŒtierte der dank Doppelvergaser und schĂ€rferer Nockenwelle 83 PS starke Volvo P 120 Amazon Sport. Es ging aber noch mehr: Mit bis zu 128 PS starken werksseitigen Sportmotoren zĂ€hlte der Amazon ĂŒber Jahre in zahlreichen Tourenwagen- und Rallyemeisterschaften zu den Titelfavoriten. Werksfahrer Carl-Magnus Skogh beispielsweise gewann 1965 mit einem Volvo 122S die Akropolis Rallye in Griechenland.

Ab Ende 1961 gab es den P 120 auch als zweitĂŒrige Limousine, die zum Modelljahr 1967 die Basis lieferte fĂŒr den Volvo 123 GT Amazon mit 103 PS starkem Motor und elektrisch betĂ€tigtem Overdrive-Getriebe aus dem legendĂ€ren SportcoupĂ© Volvo 1800 S. Zu erkennen gab sich der GT vor allem an zwei zusĂ€tzlichen Jod-Scheinwerfern mit den Funktionen Weitstrahler, Nebelscheinwerfer und innovativem Kurvenlicht. Auch ein Drehzahlmesser durfte nicht fehlen.

Volvo Amazone Kombi

Volvo Amazone Kombi

Im Februar 1962 fĂŒhrte Volvo dann die Kombiversion P 220 mit horizontal geteilter HecktĂŒr ein, so wie sie sonst bei amerikanischen Kombis beliebt war. FĂŒr viele Autofans ist er bis heute einer der schönsten Kombis einer Zeit, denn die Formensprache der Limousine wurde adĂ€quat fortgesetzt. Vom Lieferwagencharme der Konkurrenz hatte der schwedische Lademeister so gut wie nichts.

Der Genfer Autokatalog von 1963 prĂ€sentierte ein Volvo 122 S Amazon Cabriolet, entwickelt vom belgischen Karossier Jacques Coune. TatsĂ€chlich hatte dieses zweitĂŒrige Cabriolet schon im Januar 1963 auf dem BrĂŒsseler Salon seine vielbeachtete Weltpremiere gefeiert. Obwohl der Autokatalog den Eindruck eines Serien-Cabriolets vermittelte, war Volvo in keiner Weise beteiligt. Insgesamt baute Jacques Coune nur vier dieser Cabriolets.

Die kontinuierliche Modellpflege hielt die Volvo P120 Amazon frisch – auch nach EinfĂŒhrung des designierten Nachfolgers Volvo 140 im Jahr 1966. So profitierten im Herbst 1968 beide Modellreihen vom neuen B-20-Motor mit 2,0 Litern Hubraum und Abgasreinigungssystem. Der grĂ¶ĂŸere Hubraum sorgte fĂŒr mehr Drehmoment und Leistung. Es gab sogar PlĂ€ne, den Volvo P120 Amazon mit einem V8-Motor anzubieten. Bei dem V8 handelte es sich um die Weiterentwicklung eines Lkw-Motors. TatsĂ€chlich sollen fĂŒnf Prototypen gebaut worden sein sollen, dann allerdings erkannte das Management, dass ein V8 nicht geeignet war fĂŒr den Amazon, denn schließlich gab es fĂŒr dieses Modell nicht einmal einen Sechszylinder-Motor.

Gemeinsam mit der schwedischen Polizei entwickelte Volvo besondere Ausstattungsfeatures, die spĂ€ter auch in Serienmodellen Standard wurden. So verfĂŒgten die Polizeiautos schon mehrere Jahre vor der EinfĂŒhrung in regulĂ€re Serienfahrzeuge ĂŒber Vierrad-Scheibenbremsen, BremskraftverstĂ€rker und GĂŒrtelreifen. Die Volvo P120 Amazon in PolizeiausfĂŒhrung waren außerdem mit einem HeckscheibengeblĂ€se ausgestattet und mit einem Schalter am Lenkrad, der die Frontscheibenwaschanlage mit der schnellsten Scheibenwischergeschwindigkeit koppelte.

Insgesamt wurden von 1956 bis 1970 genau 667.791 Volvo P 120 (Amazone) produziert. Es war das erste Modell, mit dem Volvo auch auf dem Weltmarkt erfolgreich Fuß fasste. So wurden rund 60 Prozent der Produktion auf ExportmĂ€rkten abgesetzt. Es war zudem der erste Volvo, der auch außerhalb Schwedens produziert wurde. ZunĂ€chst wurde im Jahr 1963 im kanadischen Halifax ein Werk eröffnet, das den nordamerikanischen Markt belieferte. Die dort gebauten Fahrzeuge trugen die Modellbezeichnung Volvo Canadian.

Nach Halifax ging ein weiteres Werk im sĂŒdafrikanischen Durban an den Start. Die grĂ¶ĂŸte Investition tĂ€tigte Volvo jedoch in der belgischen Stadt Gent. Dort wurde 1965 eine Fabrik eröffnet mit einer anfĂ€nglichen JahresproduktionskapazitĂ€t von 14.000 Fahrzeugen. FĂŒr Volvo war dies ein wichtiger Schritt zu Zollerleichterungen, da Schweden noch kein Mitglied der damaligen EuropĂ€ischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG) war.

Der letzte Volvo P120 Amazon wurde am 3. Juli 1970 im Werk Torslanda bei Göteborg gebaut. Die dunkelblaue Limousine fuhr direkt in die Fahrzeugsammlung, aus der spÀter das Volvo-Museum hervorging.

Etwa acht Prozent der knapp 300.000 in Schweden verkauften Volvo Amazon sollen noch immer im Einsatz sein Am hÀufigsten ist der Modelljahrgang 1966, von dem es noch 4804 zugelassene Fahrzeuge geben soll. Insgesamt sind in Schweden heute noch 24.282 P 120 zugelassen.

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