Artikelformat

Kauf und Restauration eines BMW 3.0CS (E9)

Die wunderbaren BMW 3.0CS Coupés (E9), gebaut von 1968–1975, mit Motoren von 2,5–3,2 Liter Hubraum waren damals begehrt und sind es auch heute noch. Die bis heute überlebende Zahl der begehrten BMW E9 Coupés hat sich deutlich dezimiert. Doch die überlebenden E9 Coupés sind mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Sie wurden damals praktisch ohne Rostvorsorge bei Karmann gebaut und von Wasser und Salz in Rostlauben umgewandelt. Rostige Exemplare sind nur sehr zeitaufwendig und mit viel Fachkunde zu sanieren.

Geschichte dieses BMW E9 Coupés

Hier wird von einem Exemplar berichtet, dass nachweislich wenig gefahren wurde und während seiner Zeit bei den letzten Eigentümern zumindest in einer trockenen Garage aufbewahrt wurde. Die Historie des Fahrzeugs konnte zwischenzeitlich herausgefunden werden. Lange Zeit stand das Coupé bei einem Händler, der das BMW Coupé recht teuer verkaufen wollte …

BMW 3.0CS Restauration 2014-2015
BMW 3.0CS Innenraum vor Restauration © Fotoquelle und Bildrechte: Franz Mahr

Eine gründliche Inspektion vor Ort ergab, dass die Substanz der Karosserie sehr gut war und an den typischen Stellen des E9 keine Rostschäden (Blätterteig) sichtbar waren. Optisches Problem war die vor Jahren nicht schön gespritzte Lackierung und die Stoffe der Sitze. Der Velourstoff sah zwar gut aus, war wenig durch Sonneneinstrahlung und Nutzung verfärbt, aber durch die Zeit war der Stoff brüchig und damit in der Zukunft nicht uneingeschränkt nutzbar. Der Verkäufer des BMW E9 Coupé ließ sich von den Mängeln überzeugen, senkte den Verkaufspreis erheblich und der Klassiker wechselte den Eigentümer.

Sichtbarer Zustand der Karosserie

Auch nach intensiver Untersuchung in der heimischen Garage konnte ein guter Zustand nach 40 Jahren festgestellt werden. Vermutlich war die Hohlraumkonservierung schon bald nach der Auslieferung durchgeführt worden, was sicherlich auch half, die Karosserie vor Rost zu schützen. Der Innenraum zeigte sich sauber und ohne große Beschädigungen.

Beginn der Restaurierung Karosserie

Zu Beginn der sorgfältigen und fachkundigen Aufarbeitung wurde der Motor und Unterboden mit Eis gestrahlt. Das Motto war Runter mit dem Dreck. Nach dem Eisstrahlen zeigten sich an verschiedenen Stellen des Unterbodens mehrere kleine Löcher, die der Karosseriespengler wieder fachkundig schloss. Verursacht waren diese Rostlöcher durch Risse im nicht mehr elastischen Unterbodenschutz und eindringende Nässe, die in den entstandenen Hohlräumen im Lauf der Zeit des Blech punktförmig vernichtete. Ohne Eisstrahlen wären diese rostigen Stellen gar nicht aufgefallen. Der Unterboden wurde nach den Arbeiten mit rotem Rostschutzlack gespritzt und anschließend mit einer Wachsschicht konserviert. Auch im Motorraum unter dem lackierten und entfernten Dämmschutz, rund um die Achsaufhängungen waren kleine Rostlöcher nach der Behandlung des Eisstrahlens zu sehen.


© Fotoquelle und Bildrechte: Franz Mahr

Wartung der Technik

Technisch waren einige unspektakuläre Wartungs- und Anpassungsarbeiten an Motor und Bremsen vom neuen Eigentümer zu erledigen und die Flüssigkeiten in Motor, Getriebe und Differential wurden erneuert.

Vorbereitung und Lackierung der Karosserie

Anschliessend begannen die Vorbereitungen für eine fachlich gute Lackierung in der gleichen Farbe wie zum Zeitpunkt der Auslieferung von BMW.

Die Karosserie, innen und aussen, wurde von allen Anbauteilen befreit. Alle Teile wurden sorgfältig in verschiedenen Kisten eingelagert. Nach der Montage wurden alle abgebauten Teile gereinigt und aufgearbeitet. Auch nach der Demontage der Türverkleidungen und anderer Anbauteile zeigte sich die Karosserie, auch im Kofferraum in einem sehr guten Zustand ohne sichtbaren Rost. Die originalen Teppiche des Innenraums, Hutablage und Kofferraum wurden mit Shampoonieren und Sprühextrahieren behandelt. Sie sehen jetzt wieder aus wie bei der Ablieferung vor 40 Jahren! Auch der Teppich im Fußraum des Fahrers zeigte nur geringe Spuren der Abnutzung. Ein weiterer Beweis für den schonenden Umgang und Substanzerhaltung in der Vergangenheit.

Wo es nötig war, zum Beispiel die Halterungen der Doppelscheinwerfer, wurden diese extern mit Pulver beschichtet.

In der Lackiererei wurden noch die Front- und Heckscheibe ausgebaut. Am vorderen Fensterrahmen fanden sich unter dem entfernten und verhärtetem Dichtungsgummi einige Ansätze von Rost, die beseitigt wurden. Diese Rostansätze hätten später zu folgereichen Durchrostungen werden können. Nach Abnahme der äußeren Schwellerleiste zeigte sich ein völlig durchrosteter Schweller unterhalb des hinteren Seitenfensters auf der Beifahrerseite. Grund war der zu kurze Schlauch der Entwässerung des Seitenfensters. Das Wasser vom Seitenfenster wurde durch einen zu kurzen Schlauch in den zur Reparatur geöffnenten Schweller mit den nun sichtbaren Folgen der Zerstörung geleitet. Mit Reparaturblechen wurde der Schaden fachmännisch vom Karosseriespengler beseitigt. Einige kleine Beulen an der Karosserie, speziell Türen und Dach, wurden vom Beulen-Doktor beseitigt, denn der jetzige Eigentümer mag keine Spachtelorgien.

Nach dem Abschleifen der Karosserie, grundieren, schleifen und reinigen wurde mit 2K-Lack die originale BMW-metallic Farbe gespritzt und mit Klarlack überzogen. Das Ergebnis der Lackierung ist überzeugend geworden.

Zusammenbau und Komplettierung des BMW 3.0CS (E9)

Die Scheiben wurden mit neuen Gummidichtungen wieder eingesetzt. Es ist übrigens noch die erste Frontscheibe aus Verbundglas und besitzt noch gut lesbar den Aufkleber des damals ausliefernden Händlers. Die Scheibe besitzt wenig Steinschläge und ist auch ein Beweis für die niedrige Fahrleistung in den letzten 40 Jahren.

Anschließend wurde die Karosserie des BMW 3.0CS (E9) wieder sorgfältig vom Eigentümer mit den zwischengelagerten Teilen komplettiert. Die Sitze werden beim Sattler neu mit Leder bezogen, da der originale BMW-Velourstoff nicht mehr lieferbar ist.

Ergebnis der Aufarbeitung

Durch den wenigen Rostfraß an der Karosserie und den guten mechanischen Zustand haben sich die erforderlichen Karosseriearbeiten in sehr engen Grenzen gehalten. Jetzt befindet sich das Coupé optisch und technisch in einem exzellenten Zustand und bietet „Freude am fahren“ pur mit dem bekannt guten BMW M30 6-Zylinder-Motor nach viel investierter Arbeitszeit und zusätzlich erheblichem finanziellen Aufwand nach dem Kauf. Es hat sich gelohnt!

Werbung

 

Werbung

 

Danke sagen!
Die Redaktion freut sich über eine kleine Unterstützung von 5,00 € oder das Teilen des Beitrags:

Zum Lesen und Ansehen empfohlen