Artikelformat

Ist ein “Vintage Special” ein Oldtimer bzw. Veteran Car?

Ein «Vintage Special» ist auf jeden Fall ein individuelles Auto. Vorbild sind kleine leichte Flitzer, die aus einer Verschmelzung von Motorrad und Automobil entstanden, ähnlich der Gattung Cyclecars. Ein Cyclecar sind kleine, damals billige Automobile, die hauptsächlich zwischen 1912 und Ende der 1920er-Jahre gebaut wurden. Ganz frühe Exemplare hatten Rahmen aus Eschenholz, später Metall. Zu den prominenten Vertretern gehört der Morgan Threewheeler mit V2-Maschinen von J.A.P. (JA Prestwich Industries).

Spender Fahrzeuge für Umbau in Special

Spender Fahrzeuge für Umbau in Special

Eigentlich ist ein Special kein originaler Veteran Car, auch keine Kopie eines historischen Automobils (Replikat). Vielmehr wird ein Chassis aus der Vorkriegszeit mit passender Technik und mit einer zeitgenössischen Karosserie, ähnlich dem Stil damaliger Rennwagen zusammen gebaut. Es kann auch Technik sein, die vor dem ersten Weltkrieg produziert wurde! Der technisch Geschickte muss die Komponenten alltagstauglich aufbereiten und verbessern. Dazu gehört ein Blechkünstler, der über einem Holzrahmen oder Rahmen Gerüst aus Metall die passende Karosserie nach historischem Vorbild anpasst. Die meisten Karosserien der Veteran Cars hatten Karosserien, die vielfach aus einem Holzgerüst bestanden und im Laufe der Zeit verrottet waren. Somit sind die stabilen Fahrwerke und die Technik eine Art Recycling! Die Besitzer dieser im wahrsten Sinn einmaligen Fahrzeuge stehen sicherlich dem Fortschritt bestimmt nicht feindlich gegenüber.

Das Fahrzeug sollte im Verhältnis zur Leistung des Motors leicht sein, um ein günstiges Leistungsgewicht pro PS (Masse-Leistungs-Verhältnis) zu erreichen.

Ein Special ist keine Alltagsautos, sondern in der Regel ein Unikat, das von kreativen und handwerklich geschickten Handwerkern gebaut wurden und werden. Es sind Fahrzeuge für Menschen, die der Auffassung sind, dass in den letzten 90 Jahren nur fragwürdige Komfortmerkmale von der Autoindustrie kreiert worden sind. Ein Fahrer eines Special benötigt keine Einzelradaufhängung, Verdeck, Scheiben, Heizung oder gar Breitreifen. Vier Gänge und ein Rückwärtsgang sollten es schon sein, um im dichten Verkehr weniger zum Problemfall zu werden. Ob der Antrieb vom Motor über eine Motorradkette oder Kardanwelle auf die Hinterräder erfolgt, ist gleichgültig. Flugzeugmotoren sind sehr begehrt, da sie eine leichte Bauweise hatten und schon zur damaligen Zeit bei niedrigen Drehzahlen recht leistungsfähig waren. Specials auf Basis der Austin Seven bzw. den Lizenzbauten DIXI in Deutschland und Anderen sind sehr beliebt. Viele Beispiele zeigt die Webseite des Austin Seven Special Register. Auch andere Fahrgestelle und Technik wurden verwendet, zum Beispiel von Bentley, Riley und FIAT.

Der bekannte Oldtimer-Blogger “michix2002” berichtete öfters ausführlich über seinen FIAT 509 Adams Special aus Australien/Victoria. Viele historische und aktuellen Bilder des herrlichen FIAT 509 Adams Special finden sich auf flickr. Es ist nach seinen Angaben ein echter Special aus den 1920er Jahren!

FIAT 509 Frank Adam Special

FIAT 509 Frank Adam Special © Fotoquelle und Bildrechte: Michael Schlenger

Wer so etwas nicht in seiner heimischen Garage bauen kann, aber das nötige Geld besitzt, kann sich, zum Beispiel bei Jansen oder Kranz seinen individuellen Special nach historischen Vorlagen bauen lassen. Sicherlich gibt es auch noch andere spezielle Karosseriebauer, die das handwerkliche Geschick und die Maschinen zur Blechbearbeitung besitzen.

Leyat Helica 1919 (Replikat) mit V-Twin-Harley-Davidson Motor

Leyat Helica 1919 (Replikat) mit V-Twin-Harley-Davidson Motor

Marcel Leyat (1885–1986) begann 1913 mit dem Bau von Automobilen in Kleinserie. Der Markenname lautete Leyat, gelegentlich auch Hélica. Schon im Jahr 1927 endete die Produktion. Insgesamt entstanden etwa 30 Fahrzeuge dieser Automobile mit Propellerantrieb und einer Karosserie, die einem Flugzeugrumpf nachempfunden war. Das ist sicherlich auch ein «Vintage Special» im weitesten Sinn. Dieses Beispiel zeigt, dass der Phantasie fast keine Grenzen gesetzt sind.

Specials wurden bereits in den 20er, 30er und 50er Jahren nach Beseitigung der ursprünglichen Karosserien gebaut. Auch wurden damals auf Werkschassis bereits Specials, direkt ab Fabrik, in kleinen Serien gebaut. Es ist durch diese Historie ganz schwer zwischen Original und Replikat zu unterscheiden. Auf jeden Fall gibt es immer mehr sehens- und hörenswerte «Specials» bei historischen Rennen. Wer sich für den Aufbau eines Special auf einem historischen Fahrgestell interessiert, findet im Blog A Special Builder´s Notes Anregungen.

Riley war einer der erfolgreichsten englischen Fahrzeughersteller der Vorkriegsindustrie. Bereits in der Vorkriegszeit wurden viele Riley und Chassis anderer Marken zu sogenannten “Specials” umgebaut. Es wurden entweder nur Chassis und Motoren beim Werk bezogen oder Saloons zu Rennfahrzeugen umgebaut. Eine weitere Webseite mit vielen Informationen ist Riley Prewar Special.

Viele Informationen finden sich im Buch von John Bateman “Vintage Specials”.

Begeisterung an einem “Special Automobil” finden sicherlich keine Menschen, die die Kommunikation mittels Telefon oder die Nutzung des Internets verweigern, sondern sie lieben das Besondere, haben ein besonderes Verhältnis zur Mechanik und schrauben gerne. Ein Alltagsklassiker von Mercedes, Porsche, BMW, Volkswagen oder anderen in großer Serie verbreiteten Automobilen ist nicht deren Welt. Ein Special ist Überzeugung.

Eigentlich ist es ein Veteran Car, denn Fahrwerk und Technik sind vor den Kriegen hergestellt worden.

Werbung

 

Werbung

 

Danke sagen!
Die Redaktion freut sich über eine kleine Unterstützung von 5,00 € oder das Teilen des Beitrags:

Zum Lesen und Ansehen empfohlen