75 Jahre Ford Taunus

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Ford Taunus, das war jahrzehntelang ein Begriff für eine Marke in Deutschland. Vor 75 Jahren, also im Jahr 1939 wurde das erste Modell mit der Bezeichnung Taunus von Ford Köln präsentiert. Nach dem WWII folgten der „Weltkugel“-Taunus, der frontgetriebene 12M P4 „Cardinal“, das Hardtop-Coupé P5 und die Versionen 26 M des Taunus P7. Doch im Jahr 1982, nach neun Modellgenerationen und 43 Jahren Bauzeit, war Schluss mit der Bezeichnung Taunus.

Der Ford Eifel, in vielen Versionen vom Cabrio bis zum Kleinlaster gebaut, war in den vier Jahren seiner Bauzeit eine beliebte Modellfamilie. Ford arbeitete mit Hochdruck an einem Nachfolger. 1939, kurz vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs, kam der erste Ford Taunus zu den Kunden. Gebaut wurde er bis 1942 in etwa 7.000 Exemplaren bei Ford Köln. Wie der Eifel besaß der Ford Taunus starre, an Querblattfedern geführte Deichselachsen und seine halb-selbsttragende Karosserie mit zwei hinten angeschlagenen Türen war mit dem Chassis verschweißt. Den Antrieb bildete der aus dem Eifel übernommene 1,2-Liter-Motor mit stehenden Ventilen. Geschaltet wurde mittels eines Dreigang-Getriebes und Mittelschaltung. Die damals üblichen 34 PS Leistung mit 72 Newtonmetern Drehmoment verhalfen zu 105 km/h Höchstgeschwindigkeit.

Ford Taunus Weltkugel (links) und P3 Badewanne (rechts)
Ford Taunus Weltkugel (links) und P3 Badewanne (rechts)

Ab 1948 präsentierte Ford die zweite Auflage in leicht modifizierter Form auf der Exportmesse in Hannover. Markantes Merkmal war nach wie vor das gerundete Heck. Dieses optische Merkmals verhalt ihm zum Spitznamen Buckel-Taunus. Diverse technische Modifikationen verbesserten Funktionalität und Fahreigenschaften. Das das Werk in Köln anfänglich noch komplett auf die Produktion von Lkw ausgelegt war, wurden die Karosserien im Auftrag bei anderen Firmen gefertigt. Die damalige Rahmenbauweise machte diese Vielfalt möglich. Das Kölner Karosseriewerk Deutsch fertigte schon früh eine Cabriolet-Ausführung, andere Karosserieschneider boten Kreationen wie offene Viertürer, Kastenwagen und sogar sechssitzige Taxi-Ausführungen. Ab Werk war nur ein Zweitürer erhältlich.

Ford Taunus „Weltkugel“

Im Frühjahr 1952 begann für Ford Kunden in Deutschland eine neue Zeitrechnung. Der Taunus 12M (M = Meisterstück) stellte mit der hochmodernen selbsttragenden Ponton-Karosserie den neuesten Stand von Technik und 50er Jahre Design dar. Mitten auf der Motorhauben-Vorderkante trug er einen von viel Chrom umrahmten Globus. Das verhalf dem Modell zum Spitzname Weltkugel-Taunus. Der 12M avancierte im Wirtschaftswunder-Deutschland schnell zum Liebling. Anfangs wurde unter der Motorhaube der seitengesteuerte 1,2-Liter-Vierzylinder aus dem Vorkriegsmodell eingebaut.

Damals kostete der Taunus ab 7535 Mark und war als Limousine, zwei- und viersitziges Cabriolet, Liefer- und Pritschenwagen bestellbar. Besonders großen Anklang fanden dank großer Scheiben der helle Innenraum und das zu seiner Zeit günstige Leistungsgewicht von lediglich 22,3 Kilogramm pro PS. Der Taunus 12M war der erste Ford in Deutschland, der eine Vorderachse mit Einzelradaufhängung besaß. Mit der Sparversion Taunus 12 (ohne M) rundete Ford das Modellspektrum nach unten ab, der 1955 vorgestellte 15M mit modernem kurzhubigem OHV-1,5-Liter-Triebwerk erweiterte sie nach oben. Dann gab es noch die reichhaltig ausgestattete und mit viel Chrom geschmückte Version 15M de Luxe. Die Weltkugel an der Motorhaube verschwand mit dem letzten Facelift im Jahr 1959.

Barock Taunus – der kleine Amerikaner

Der neue Taunus 17M kam 1957 im modischen Heckflossen-Design daher und erhielt dafür vom Volksmund sogleich den Spitznamen „Barock-Taunus“. Ford selbst verglich ihn wegen seiner geschmeidigen Fahrkultur lieber mit einem fliegenden Teppich. Im zweiten Projekt (P2) der Nachkriegszeit arbeitete eine auf 1,7 Liter aufgebohrte Version des robusten 15M-Triebwerks. Trotz der Hubraum-Erweiterung entwickelt der 60 PS starke Vierzylinder im 17 M nur fünf PS mehr. Ein Grund für das komfortable Schweben waren die McPherson-Federbeinen vorne.

Die Karosserie des 17 M P2 griff mit ihrer Z-förmig verlaufenden Zierleiste, den Heckflossen und spitzen runden Rückleuchten die Gestaltung der amerikanischen Modelle von Ford auf. Auch die Ausführung des Innenraums erinnerte an die Customline-Modelle der Konzernmutter. Neben der zwei- und viertürigen Limousine bot Ford den 17M P2 als Kombi sowie als Kastenwagen an. Karosseriebauer Deutsch steuerte wieder eine Cabriolet-Version bei.

Zum Lieferumfang des 17 M de Luxe zählten, zum Beispiel ein gepolstertes Armaturenbrett und gepolsterte Sonnenblenden, die rechte sogar mit Make-up-Spiegel. Eine Windschutzscheibe aus Verbundglas sorgte für Sicherheit und die Mittelarmlehne vorne wie hinten für Bequemlichkeit. Tageskilometerzähler, eine Lichthupe mit automatischem Blinkfrequenzrelais, zwei Rückfahrscheinwerfer und Weißwandreifen ergänzten die Ausstattung. Der absolute Luxus waren die optional bestellbaren Polsterbezüge aus echtem Leder für 350 DM.

Dank des deutlich gesteigerten Drehmoments konnte das neue Modell mit spürbar besseren Durchzug punkten. Dem Drei-Gang-Schaltgetriebe folgte ab August 1959 eine ebenfalls voll synchronisierte Vier-Gang-Getriebe und eine „Saxomat“-Automatik mit Lenkradschaltung und Overdrive. Insgesamt wurden 239.975 Taunus 17 M P2 gebaut.

Badewanne – Linie der Vernunft

Der Oktober 1960 war für Ford ein Datum mit starker Symbolkraft. Ford stellte ein neues Modell mit den Erfordernissen der 60er Jahre, den Taunus 17 M P3, vor. Wegen der damals geradezu futuristisch sachlichen Form, im Gegensatz zum Vorgänger Barock-Taunus, den starken Einzügen der Flanken und der umlaufenden Linie taufte das Autovolk das Modell Badewanne. Ford selbst prägte für den schnörkellosen Entwurf in seiner Werbung den Begriff Taunus P3 „Die Linie der Vernunft“.

Vernünftig war die bewährte Technik unterm Blech zweifellos. Doch der P3 bestach vor allem stilistisch. Die Kombi-Version 17 M Turnier stellte einen repräsentativen Großraumwagen für Familien mit viel Gepäck und Handwerker dar. Besonders schöne Ausführungen lieferte erneut Deutsch mit den Cabriolet- und Coupé-Versionen.

Taunus 12M Cardinal war der Vorläufer des Escort

Mit dem P4 machte der Taunus 12M eine Wandlung vom Stiefkind zum Trendsetter durch. Er begründete bei Ford jenes Segment, in dem ab 1968 der Escort durchstartete. Der Projektname „Cardinal“ bezeichnete übrigens keinen kirchlichen Würdenträger, sondern eine Vogelart – so wie die größeren US-Modelle Ford Falcon oder Ford Thunderbird genannt wurden. Doch offiziell blieb der Name Taunus.

Die Strategen im Mutterhaus von Ford in Dearborn hatten Ende der 1950er erkannt, dass ein eigener „Compact Car“ her müsse, um den Boom europäischer Kleinwagen in den USA zu kontern. Da lag es nahe, gleich die europäischen Töchter mit diesem Projekt zu beauftragen, die sich mit dieser Fahrzeugklasse schon mehrfach befasst hatten.

Die US-Kollegen lieferten mit ihrem Entwurf namens „Cardinal“ einen Gegenvorschlag zu den Prototypen in Köln, der unter der Haube etwas für dieses Segment Revolutionäres bot. Es war ein V-Motor plus Frontantrieb. Am Ende erhielt der zukünftige Taunus P4 eine für die europäische Kompaktklasse sehr üppige Länge von 4,32 Metern. Dafür beschieden sich die US-Entwickler mit einem Hubraum von lediglich 1,5 Litern. Dieser wurde bis zum Start nochmals um 300 Kubikzentimeter verringert.

Durch den amerikanischen Einfluss hatte Ford in Deutschland mit dem Modell ein Fahrzeug zu bieten, das in Anschaffung und Unterhalt etwa so günstig war wie ein Kompaktwagen, dabei aber Platzverhältnisse und Fahrleistungen wie in der Mittelklasse bot. Nur ein Jahr nach Produktionsbeginn hatten bereits 160.000 neue P4 einen Käufer gefunden. Der 12M bot viel Platz, genau das, was seine Rivalen Käfer und Kadett vermissen ließen. Weil der V4-Motor mit Getriebe, Differenzial, Antriebswelle und Kupplung eine Baueinheit bildete, ergab sich für die Passagiere ein ungewöhnlich großer Innenraum.

Der Taunus 12M debütierte zunächst als zweitüriges Stufenheck, ab März 1963 gesellten sich der Viertürer und ein dreitüriger Kombi hinzu, der später auch als geschlossener Kastenwagen erhältlich war. Wenig später erschien das elegant gestreckte Coupé. Für diese bildschöne Version verkürzten die Designer das Dach und schufen dadurch völlig neue Proportionen mit einer flach abfallenden Heckscheibe. Ein Zierblech am unteren Ende der C-Säule vermittelte gar einen Hauch von Hardtop-Cabrio.

Einen spektakulären Beleg der Langlebigkeit des neuen Taunus 12M – zum Teil unfreiwillig – lieferte Ford mit einem Rekordfahrt: Im südfranzösischen Miramas bewältigte der P4 eine Langstreckendistanz, die exakt der Entfernung zwischen Erde und Mond entsprach. Nach 142 Tagen wurde das Rekordfahrzeug mit einem Kilometerstand von 358 273,8 zum letzten Mal an die Box beordert. Dabei stand dem 12M das Glück des Tüchtigen zur Seite, denn beim Kilometerstand 284.275 war ein Versuchsfahrer eingeschlafen, von der Piste abgekommen und hatte sich überschlagen. Der Tester blieb unverletzt, der auf allen vier Rädern gelandete Taunus aber war heftig demoliert – setzte die Fahrt aber bis zur Rekordmarke fort.

Retrospektive Ford Taunus

Der Ford Taunus wurde im Oldtimer-Magazin bereits in mehreren Beiträgen gewürdigt:

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