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Wir reden über etwas, was es eigentlich gar nicht gibt

Zunächst sollte man sich darüber klar werden, über was man redet wenn man den Begriff „Youngtimer“ nennt.

Rein rechtlich gibt es einen solchen Begriff gar nicht. Auch in der englischen Sprache ist er unbekannt, obwohl das Wort im ersten Moment englisch klingt. Abgeleitet wurde dieser Begriff sehr wahrscheinlich vom Wort „Oldtimer“. Dieses Wort gibt es tatsächlich in der englischen Sprache, hat aber dort einen ganz anderen Sinn. – Die Deutschen haben ein gewisses Talent dazu entwickelt, ihre Sprache „modern“ klingen zu lassen. Daran können wir an dieser Stelle nichts ändern.

Erstes Fazit: Wir reden über etwas, was es eigentlich gar nicht gibt.

Trotzdem gibt es natürlich Fahrzeuge die an „Oldtimerveranstaltungen“ oder Ausfahrten teilnehmen, deren Alter unter 30 Jahren liegt und somit, rein von der Definition, dort nicht hingehören. Hier wird also eine klar gesetzte Grenze überschritten. Somit kann man den damit verbundenen Ärger einiger Oldtimer-Fahrer, evtl. auch einiger Zuschauer sicherlich verstehen.

Die momentane, für manche eher unbefriedigende Situation hat aber auch Gründe. Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen an dieser Stelle sprengen. Einen Grund möchte ich aber kurz ansprechen. Es geht (wen wundert´s?) um´s Geld.

Youngtimer-Treffen

Youngtimer-Treffen © Fotoquelle und Bildrechte: Harald Weber

Ob Oldtimerrallye oder organisierte Ausfahrt. „Masse“ ist wichtig für die meisten Veranstalter. Und genau diese „Masse“ an Fahrzeugen bringen oft die jüngeren Besitzer mit ihren jüngeren Fahrzeugen. Sie fahren auch dann, wenn mancher Oldtimerbesitzer sein Fahrzeug lieber in der trockenen Garage lässt oder vorsichtshalber erst gar nicht anmeldet. Durch die beinahe garantierte Teilnahme dieser jüngeren Fahrzeuge hat der Veranstalter eine gewisse zusätzliche Einnahme und somit mehr finanzielle Sicherheit. Daher wird seitens der Veranstalter gerne mal ein Auge zugedrückt.

Klar, dass die Qualität solcher Veranstaltungen aus Zuschauersicht darunter leidet. Ich selbst bin schon häufiger bei „Oldtimerausfahrten“ von Zuschauern gefragt worden, wo denn die schönen alten Autos bleiben? Die Antwort, dass damit nur ganz vereinzelt zu rechnen ist, machte niemanden glücklich. Allerdings ist das Zuschauen bei solchen Ausfahrten meistens kostenlos. Somit kann man auch als Zuschauer nicht viel verlangen.

Es gibt aber auch Veranstaltungen wo man als Zuschauer wirklich alte und ungewöhnliche Fahrzeuge bestaunen kann, die sich in Form, Farbe und Geräuschkulisse vom heutigen Einheitsbrei und „Youngtimern“ deutlich unterscheiden. Allerdings zahlt der Zuschauer einen entsprechenden Eintritt. Der Veranstalter hat schließlich auch seine Kosten und muss diese irgendwie wieder reinholen.

Also, für alle Zuschauer: Da, wo ´s nix kostet, darf man auch nicht viel erwarten. Da, wo man bezahlen muss, wird in aller Regel auch wirklich was geboten.

Allen Oldtimerfahrern die sich über schnelle, neuere Fahrzeuge ärgern sei der Rat gegeben, mit den Veranstaltern zu reden. Sie sind oftmals dankbar für jede Anregung. Kein Veranstalter will Teilnehmer verlieren. Jedem Veranstalter ist es selbst überlassen, wie er seine Veranstaltung organisiert. Eine rechtzeitige, zusätzliche Definition des Mindestalters wäre aus heutiger Sicht sicher kein Problem und würde bei allen für Klarheit sorgen. Hierfür müsste auch kein bestehendes Gesetz umgeschrieben werden. Der Fahrer eines wirklich alten Fahrzeugs kann sich dann immer noch entscheiden, ob er teilnimmt oder lieber nicht. Der Fahrer eines jüngeren Fahrzeugs weiß entsprechend auch, ob sein Fahrzeug erwünscht ist oder nicht.

Harald Weber

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