{"id":6631,"date":"2015-09-10T08:00:16","date_gmt":"2015-09-10T06:00:16","guid":{"rendered":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/?p=6631"},"modified":"2022-01-19T11:28:18","modified_gmt":"2022-01-19T10:28:18","slug":"boehmerwald-mit-klassischer-mobilitaet-entdeckt","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/boehmerwald-mit-klassischer-mobilitaet-entdeckt\/","title":{"rendered":"B\u00f6hmerwald mit klassischer Mobilit\u00e4t entdeckt"},"content":{"rendered":"<p>Mehrere Freunde klassischer Mobilit\u00e4t aus drei L\u00e4ndern beschlossen den in Tschechien liegenden und weniger bekannten B\u00f6hmerwald zu bereisen. Eine unabh\u00e4ngige  Jury w\u00e4hlte nach strengen Kriterien das Startfeld aus. Die Vorgaben f\u00fcr die Fahrtroute waren ebenfalls sehr anspruchsvoll. Jeder musste die Farbenfolge der Autos \u201eweiss und rot\u201c einhalten. Start- und Ankunftszeiten sollten ebenfalls genau beachtet werden. Es gab keine Strafpunkte, sondern eine  Versp\u00e4tung kostete jeweils am Abend eine Runde an die \u00fcbrigen Teilnehmer.<\/p>\n<p>Die Anreise wurde \u201eSternfahrt nach B\u00f6hmerwald\u201c getauft. Die Woche im Gebirge war dann die \u201eRallye Susice\u201c. Am Schluss der Reise zeigte der Tachometer 1.700 km mehr und keines der Fahrzeuge hatte eine Panne.<\/p>\n<p>Die l\u00e4ngste Anreise auf eigener Achse bewerkstelligte Mirek aus Karlsruhe, zweiter war Jirka aus Z\u00fcrich, dritter war Tomas aus Lindau, Pavel kam aus Hradec Kralove, die geringste Entfernung hatte Gusta Havel, genannt \u201eMajor\u201c. Major aus Susice, ist am \u201eTor des B\u00f6hmerwaldes\u201c zu Hause. Er  hatte mit Vendy ein attraktives und anspruchsvolles Programm zusammengestellt. Kultur, Geschichte, gastronomische Experimente  und Naturparks wechselten sich unregelm\u00e4ssig ab. <\/p>\n<figure id=\"attachment_6632\" aria-describedby=\"caption-attachment-6632\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Skoda-Felicia-Spartak_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Skoda-Felicia-Spartak_1.jpg\" alt=\"Skoda Felicia und Spartak\" width=\"730\" height=\"548\" class=\"size-full wp-image-6632\" srcset=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Skoda-Felicia-Spartak_1.jpg 730w, https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/09\/Skoda-Felicia-Spartak_1-300x225.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6632\" class=\"wp-caption-text\">Skoda Felicia und Spartak \u00a9 Fotoquelle und Bildrechte: Dr. Georg W.Pollak, sc.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Start war am Marktplatz in Susice. Zum Beginn war ein Besuch im renovierten lokalen Museum ein Punkt der Tagesordnung. Susice hatte eine Jahrhunderte alte Tradition in der Herstellung von Streichh\u00f6lzern. Die Firma SOLO-Susice ist weltber\u00fchmt gewesen und davon blieb lediglich ein Name \u00fcbrig. Klassische Mobilit\u00e4t erregte auch auf dem Marktplatz das Interesse von Passanten. Diese fotografierten mit und ohne Kinder. Dann ging es zum Hausberg hinauf und eine sagenumwobene Kirche des Hl. Archengel Gabriel stand auf dem Programm. Von der Anh\u00f6he hatten wir einen guten \u00dcberblick \u00fcber die Stadt Susice. Nur wenige Kilometer weiter in Albrechtice wartete auf uns eine Erfrischung vor dem steilen Anstieg, nat\u00fcrlich zu Fuss. Die Wanderung f\u00fchrte  bis auf  902 M.\u00fc.M zum Holz-Aussichtsturm \u201eSedlo\u201c.  Es sollte aber nicht die letzte herausfordernde Wanderung werden. <\/p>\n<p>Nach dem Abstieg und wieder im Tal angekommen, konnten wir das beste Echt-Frucht-Eis genie\u00dfen. Die Dame im Kiosk bestand auf ein Foto des von ihr zum \u201eBest of Show\u201c bestimmten Oldtimers Spartak. Diesen Wunsch erf\u00fcllte wir Ihr gerne nach der K\u00f6stlichkeit der Erfrischung.  Kulturell war am Abend der Besuch eines Konzertes angesetzt. Austragungsort war die h\u00f6chstgelegenen Synagoge des Landes. <\/p>\n<p>Unvergesslich blieb uns die ersch\u00fctternde Ausstellung \u00fcber die Zerst\u00f6rung vieler D\u00f6rfer im Grenzgebiet. Die tschechoslowakische Armee zerschoss nach 1945 Kirchen, verbrannte wertvolle Holzaltare aus dem Mittelalter und zerst\u00f6rte Wohnh\u00e4user.<\/p>\n<p>\u00a9 Fotoquelle und Bildrechte: <a title=\"Georg Pollak\" class=\"aalmanual\" href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/category\/gastautoren\/dr-georg-w-pollak-sc\/\">Dr. Georg W.Pollak<\/a>, sc. \/ modrasci<br \/>\nHinweis: Mit Klick auf ein Foto mit dem Mauszeiger (PC) oder Ber\u00fchrung mit dem Finger (Smartphone, Tablet) wird der Wechsel zum n\u00e4chsten Foto durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Weitere Gebiete des B\u00f6hmerwaldes besuchten wir, abh\u00e4ngig vom Ort unseres jeweiligen <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/hotel-verzeichnis-fuer-oldtimer-touren-und-oldtimer-reisen\/\">Hotels<\/span>. Mal wohnten wir in einem Schloss (Hradek), mal im Hotel Klostermanns H\u00fctte, das wie eine Blockh\u00fctte erbaut war. Auch mehrere Burgen und Ruinen haben wir besucht. In der Burgruine Klenova haben wir eine Ausstellung der deutsch-tschechischer Bildhauerin Mary Duras besucht. Unweit von Klenova  ist die Stadt Klatovy, die sich durch ein Dom, Kloster und Katakomben auszeichnet. Hier sind bis heute 190 mittelalterliche Mumien beherbergt. Nicht nur die monumentalen Bauten, auch die begeisternde F\u00fchrung durch junge Fremdenf\u00fchrer, meist h\u00fcbsche M\u00e4dchen, bleibt uns lange im Ged\u00e4chtnis. <\/p>\n<p>Die Bergregion des B\u00f6hmerwaldes ist bekannt durch ihre Glash\u00fctten, Glasbl\u00e4sereien und Schleifereien. Einige haben wir auch besucht. In Rajsko \/ Annin, das zurzeit eine Renaissance erlebt, wohnten wir einer Demonstration zur Herstellung mittelalterlicher Glasperlen f\u00fcr Rosenkr\u00e4nze bei. Im benachbarten Atelier verfolgten wir das Schleifen von Gl\u00e4sern und Tassen f\u00fcr saudiarabische Kunden\u2026<\/p>\n<p>Auf die vorbildlich unterhaltene und funktionst\u00fcchtige Stromerzeugungsanlage k\u00f6nnte die Herstellerin BBC, heute ABB, zu Recht stolz sein. Holz- und Energiegewinnung sind im B\u00f6hmerwald ebenfalls traditionelle Industriezweige. Im historischen \u201eCenek\u2019s S\u00e4gewerk\u201c wurden wir \u00fcber die lokalen S\u00e4gen, Holztransport  und Elektrizit\u00e4t unterrichtet.  Diese Gegend ist landschaftlich besonders lieblich, mit rundlichen Bergen, gr\u00fcnen T\u00e4lern und vielen Fl\u00fcssen. Eben wie hier, bei \u201cCenek\u201c \u2013 vereinen sich Kremelna und Vydra zur \u201egoldbringender\u201c Otava.  Von hier fuhren wir hinauf nach Svojse und noch h\u00f6her bis auf 1187 M.\u00fc.M. nach Zhuri. Diese Route hat unseren historischen Fahrzeugen einiges abverlangt. Alle \u0160koda Felicias haben diese Pr\u00fcfung bestens bestanden. Ganz oben im Niemandsland konnten wir uns Verpflegen \u2013 die <span class=\"removed_link\" title=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/gastronomie-verzeichnis-touren-reisen\/\">Gastwirtschaft<\/span> hatte den passenden Namen gem\u00e4\u00df ihrer Lage: Ztracena \u2013 \u201edie Verlorene\u201c. Unterwegs stie\u00dfen wir auf Barbara Smrkovskas Pferdezucht in Drazovice. <\/p>\n<p>Jedes Tagesprogramm beinhaltete den Besuch eines Heimatmuseum wie in Kvilda oder Kasperske Hory und das Verweilen in einem National Park, zum Beispiel Jezerni oder Chalupska Slat. Dort finden sich ausgedehnte Torfgebiete und S\u00fcmpfe mit ausgefallener Fauna und Flora. Die S\u00fcmpfe sind nur auf erh\u00f6hten Holzpfaden begehbar. <\/p>\n<p>Ein Abstecher zur ehemaligen deutsch-tschechischen Grenze in Bucina hinterlie\u00df bei allen einen tiefen Eindruck. Der belassene Todesstreifen, bis 1972 mit Stacheldraht unter Hochspannung und durch Wacht\u00fcrme gesichert, ist stummer Zeuge der grausamen Gewalt. Die unmenschliche Behandlung der eigenen Bev\u00f6lkerung durch das kommunistische Regine darf nie vergessen werden.  <\/p>\n<p>In der wiederaufgebauten Gemeinde Dobra Voda besuchten wir eine Weltrarit\u00e4t. Der moderne Glasaltar, auch Retabulum genannt,  ist 3,5  x  5 Meter gross und wiegt \u00fcber 7 Tonnen. Er befindet sich in der Kirche des Heiligen G\u00fcnters. Dem Heiligen G\u00fcnter (Sv. Vintir) ist keine andere Kirche auf der Welt geweiht. Das Eingangstor war sehenswert.<\/p>\n<p>Der urspr\u00fcngliche mittelalterliche, reich geschnitzte und bemalte Altar wurde in den f\u00fcnfziger Jahren von den tschechischen Truppen als Brennholz f\u00fcr Heizung und Kochherd missbraucht! Es gibt sogar Fotos als Beweis f\u00fcr dieses Tun! Das lokale Museum gibt Auskunft \u00fcber das unr\u00fchmliche Schicksal der Grenzbev\u00f6lkerung, sei es deutschen oder j\u00fcdischen Ursprungs.<\/p>\n<p>Nat\u00fcrlich konnten wir das Motorradmuseum in Kasperske Hory nicht auslassen. In der Sammlung befinden sich auch ausgesprochen Unikate. So zum Beispiel ein Dreisitzmotorrad Cechie\u2013B\u00f6hmerland oder ein <a href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/motorrad-oldtimer-und-veteranen-beim-starten-und-fahren\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">Motorrad<\/a> der Marke Wagner. Es ist das einzige Motorrad dieser Marke, das erhalten blieb. <\/p>\n<p>Unsere Damen haben den Motorr\u00e4dern das Heimatmuseum vorgezogen und warteten anschlie\u00dfend auf uns in einer Zuckerb\u00e4ckerei begleitet von einem Schwarm Wespen. <\/p>\n<p>An historischer Mobilit\u00e4t waren dabei: \u0160koda 450\u00a0Felicia, gebaut von 1959 bis 1964 mit insgesamt 14.863 Fahrzeugen. Die Felicia (Typ 994) wurde zuerst nur f\u00fcr den Export hergestellt, sp\u00e4ter konnte sie aber auch auf dem heimischen <a title=\"Markt\" class=\"aalmanual\" href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/anzeigen\/anzeigen-durchsuchen\/\">Markt<\/a> gekauft werden. Der Kaufpreis entsprach damals etwa dem Wert von drei Jahresl\u00f6hnen. Der robuste Motor mit 1100 ccm, 50 PS Leistung, einfacher Mechanik sind heute der Grund, warum die Felicia bei Freunden der historischen Mobilit\u00e4t begehrt sind. Das blau-weisse Auto ist ein Unikat. Der Spartak Roadster Polytex wurde nur einmal gebaut und kam nie in die Serienherstellung. Seine Hinterachse wird hydropneumatisch gefedert. Das war f\u00fcr damalige Zeit sehr fortschrittlich. Diese technische L\u00f6sung wurde damals nur in teuren Limousinen genutzt. Wie eine Rosine auf der Torte wirkte das erst k\u00fcrzlich entdeckte und vorbildlich renovierte Tretauto, dessen Karosserie an den gro\u00dfen Bruder Spartak Polytex angelehnt ist. <\/p>\n<p>Nicht nur der Major und seine Assistentin Vendy haben sich um den Erfolg dieser \u201eRallye Susice\u201c verdient gemacht, sondern auch der Heilige Petrus, der uns sch\u00f6nes Wetter bescherte. Einzig das vorgesehene Pilzsammeln fiel wegen extremer Trockenheit aus, also eine Klage auf h\u00f6chstem Niveau \u263a. <\/p>\n<p>Text: Dr. Georg W.Pollak, sc.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Mehrere Freunde klassischer Mobilit\u00e4t aus drei L\u00e4ndern beschlossen den in Tschechien liegenden und weniger bekannten B\u00f6hmerwald zu bereisen. Eine unabh\u00e4ngige Jury w\u00e4hlte nach strengen Kriterien das Startfeld aus. 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