{"id":6493,"date":"2015-08-25T09:45:15","date_gmt":"2015-08-25T07:45:15","guid":{"rendered":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/?p=6493"},"modified":"2022-01-19T11:28:43","modified_gmt":"2022-01-19T10:28:43","slug":"skoda-vom-fahrrad-zum-automobil","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/skoda-vom-fahrrad-zum-automobil\/","title":{"rendered":"Skoda &#8211; Vom Fahrrad \u00fcber das Motorrad zum Automobil"},"content":{"rendered":"<p>2015 feiert Skoda dieses Jubil\u00e4um. Seit 1905 entstehen in Tschechien Automobile. 110 Jahre sind in der Automobilindustrie ein seltener Geburtstag. Das Unternehmen Laurin &#038; Klement, das die Grundlage f\u00fcr die Autoproduktion legte, geht sogar auf das Jahr 1895 zur\u00fcck. Die Geschichte der tschechischen Marke f\u00fchrt von der Herstellung von Fahrr\u00e4dern \u00fcber Motorr\u00e4der durch f\u00fcnf politische Systeme zum Automobil.<\/p>\n<h3>Vom Buchh\u00e4ndler zum Fahrradhersteller<\/h3>\n<p>Der Buchh\u00e4ndler V\u00e0clav Klement (1868 \u2013 1938), aus dem b\u00f6hmischen Mlada Boleslav hatte sich \u00fcber Haltbarkeit und Qualit\u00e4t eines Fahrrads des Dresdner Herstellers Seidl &#038; Naumann derart ge\u00e4rgert, dass er in einem geharnischten Schreiben sein Missfallen kund tat. Der Adressat beging den Fehler das auf Tschechisch formulierte Schreiben im Geist des Hochmuts zur\u00fcck zuweisen. Der erz\u00fcrnte Klement fasste daraufhin den Entschluss mit dem Schlosser V\u00e0clav Laurin (1865 \u2013 1930) in der Adventszeit 1895 die Firma Laurin &#038; Klement zu gr\u00fcnden \u2013 eine Reparaturwerkstatt f\u00fcr Fahrr\u00e4der.<\/p>\n<p>Aus dem Reparaturbetrieb entwickelte sich rasch ein Hersteller f\u00fcr Fahrr\u00e4der, der 1898 das erste Zweirad mit einem Hilfsmotor versah. Da standen bei Laurin &#038; Klement schon 40 Mitarbeiter in Lohn und Brot. 1899 entstand das erste Motorrad. Die Motorr\u00e4der aus der b\u00f6hmischen Provinz unter der Herrschaft der \u00f6sterreichisch-ungarischen Doppelmonarchie bew\u00e4hrten sich schnell bei Wettbewerben. 1903 traten L &#038; K-Motorr\u00e4der bei 34 Rennen an und gewannen davon 32. Die B\u00f6hmen bauten Motorr\u00e4der mit ein, zwei und vier Zylindern.<\/p>\n<figure id=\"attachment_6496\" aria-describedby=\"caption-attachment-6496\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1_L-K-Voiturette-1906.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1_L-K-Voiturette-1906.jpg\" alt=\"L &amp; K Voiturette (1906)\" width=\"730\" height=\"487\" class=\"size-full wp-image-6496\" srcset=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1_L-K-Voiturette-1906.jpg 730w, https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1_L-K-Voiturette-1906-300x200.jpg 300w, https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/wp-content\/uploads\/2015\/08\/1_L-K-Voiturette-1906-125x83.jpg 125w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-6496\" class=\"wp-caption-text\">L &#038; K Voiturette (1906) \u00a9 Fotoquelle und Bildrechte: Auto-Medienportal.Net\/ Skoda<\/figcaption><\/figure>\n<h3>Ab 1905 Hersteller von Automobilen<\/h3>\n<p>Der Erfolg veranlasste die Verantwortlichen 1905 in den Autobau einzusteigen. Damit vollzog das Unternehmen eine \u00e4hnliche Entwicklung wie andere Autopioniere der Zeit. Auch Marken wie Rover, Peugeot und Opel sammelten mit Fahrr\u00e4dern, dem ersten industriell gefertigten Massenverkehrsmitteln f\u00fcr den Individualverkehr, fr\u00fche Meriten im Fahrzeugbau, bevor der Schritt zur Automobilproduktion erfolgte.<\/p>\n<p>1907 erfolgte die Umwandlung in eine Aktiengesellschaft. 1912 \u00fcbernahm Laurin &#038; Klement die 1907 gegr\u00fcndeten Reichenberg Automobil-Fabrik aus Reichenberg, dem heutigen Liberec, und war damit der gr\u00f6\u00dfte Autoproduzent \u00d6sterreich-Ungarns. Die Firma baute neben Autos und Motorr\u00e4dern auch landwirtschaftliche Maschinen, Lastwagen, Omnibusse, station\u00e4re Motoren und Stra\u00dfenwalzen. 40 Prozent der Exporte gingen alleine nach Russland. In ganz Europa kauften Kunden gerne einen Laurin &#038; Klement. Sogar nach Japan, S\u00fcdamerika und bis nach Neuseeland wurden Autos aus B\u00f6hmen geschippert.<\/p>\n<h3>Laurin &#038; Klement und Skoda fusionieren<\/h3>\n<p>Als R\u00fcstungsproduzent zwischen 1914 und 1918, sah sich Laurin &#038; Klement mit der gleichen Situation konfrontiert, wie so viele andere Autobauer der alten Welt nach Ende des 1.Weltkriegs. Der <a title=\"Markt\" class=\"aalmanual\" href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/service\/anzeigen\/anzeigen-durchsuchen\/\">Markt<\/a> f\u00fcr zivile Fahrzeuge war komplett zusammengebrochen. 1919 kam die Autoproduktion z\u00f6gerlich wieder in Gang. Es misslang, eine stringente Modellpalette zu entwickeln. Als der Skoda-Konzern mit dem Autobauer 1925 fusionierte, hatte Laurin &#038; Klement in zwei Jahrzehnten 60 verschiedene Modelle produziert.<\/p>\n<p>Skoda war ein Pionier der Industrialisierung in der Doppelmonarchie \u00d6sterreich-Ungarns. Ernst Graf von Waldstein aus dem uralten b\u00f6hmischen Adelsgeschlecht gr\u00fcndete das Unternehmen 1859 in Pilsen. Dort produzierte er Ausr\u00fcstungen f\u00fcr Brauereien, Bergwerke, Zuckerfabriken und Dampfmaschinen. 1869 kaufte Emil Ritter von Skoda (1839 \u2013 1900), ein Ingenieur und Industrieller den Waldsteinschen Betrieb. Skoda erweiterte das Unternehmen um Gie\u00dfereien, Schmieden und ein Stahlwerk. Ab 1881 entwickelte sich Skoda zum Technologiekonzern, der japanische, russische und s\u00fcdamerikanische Schlachtschiffe ebenso ausstattete wie das Kraftwerk an den Niagaraf\u00e4llen in den Vereinigten Staaten oder die Schleusen f\u00fcr den Panamakanal.<\/p>\n<p>Der Turnaround des Waffenproduzenten zu zivilen Produkten gelang nach 1918 durch das finanzielle Engagement des franz\u00f6sischen R\u00fcstungskonzerns Schneider &#038; Cie. Der wollte mit zivilen Produkten in Europas Osten expandieren. Die Nachkriegsproduktion bei Skoda begann mit Lokomotiven.<\/p>\n<p>Mit der \u00dcbernahme von Laurin &#038; Klement war Skoda auch Autobauer. 1930 besch\u00e4ftigte der Konzern 36.000 Mitarbeiter. Die deutschen Besatzer B\u00f6hmens und sp\u00e4ter der gesamten Tschechoslowakei dr\u00e4ngten den Konzern in die Rolle eines wichtigen Lieferanten f\u00fcr die deutsche Wehrmacht auf, f\u00fcr den bis zu 101.000 Menschen arbeiteten.<\/p>\n<p>Hinweis: Mit Klick auf ein Foto mit dem Mauszeiger (PC) oder Ber\u00fchrung mit dem Finger (Smartphone, Tablet) wird der Wechsel zum n\u00e4chsten Foto durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h3>Die Zeit nach dem 2.Weltkrieg<\/h3>\n<p>Am 10. Mai 1945 \u00fcbernahm die Rote Armee die Leitung bei \u201eSkoda Auto\u201c und trennte die Autosparte vom Rest des Konzerns. Am 24. Oktober 1945 erfolgte die Verstaatlichung. Bei der Entwicklung zeitgem\u00e4\u00dfer Produkte versagte die sozialistische Planwirtschaft in den folgenden Jahren nicht nur bei Skoda vollkommen. W\u00e4hrend im Westen innerhalb eines Jahrzehnts die Auto- zur Schl\u00fcsselindustrie heran wuchs, geriet die Planwirtschaft des Ostens beim Fahrzeugbau immer st\u00e4rker ins Hintertreffen. Nicht nur bei Skoda entstand eine unausgewogene Fahrzeugpalette, die sich zu allem \u00dcberfluss in erster Linie der Mobilisierung der herrschenden, weniger der werkt\u00e4tigen Klasse verpflichtet f\u00fchlte. So baute Skoda beispielsweise zwischen 1948 und 1952 rund 100 gepanzerte Exemplare des VOS \u2013 Eine Oberklasselimousine mit 120 PS starkem 5,2-Liter-Sechszylinder.<\/p>\n<h3>Automobile Neuentwicklung 1964<\/h3>\n<p>Neun Jahre werkelten die Ingenieure, bis Skoda 1964 die erste wichtige Neuentwicklung f\u00fcr ein breites Publikum vorstellen konnte. Die viert\u00fcrige Limousine mit Heckmotor erhielt einen Vierzylinder, der zwischen 35 und 45 PS leistete. Der 1000 MB bzw. 1100 MB bereitete st\u00e4ndig Probleme bei Technik und Verarbeitung. Trotz der Unzul\u00e4nglichkeiten sorgte die enorme Autonachfrage in den L\u00e4ndern des Warschauer Paktes bis 1969 f\u00fcr eine Auflage von rund 450.000 Einheiten. Verglichen mit Autos aus russischer oder ostdeutscher Produktion galten Skodas als innovative automobile Kostbarkeiten mit formalem Schick und sportlicher Note.<\/p>\n<p>1987 hatte sich die Tschechoslowakei im Rahmen von \u201eGlasnost\u201c und \u201ePerestroika\u201c soweit vom Sozialismus emanzipiert, dass Skoda in zeitgem\u00e4\u00dfe Produkte einsteigen konnte. In jenem Jahr erschien der frontgetriebenen Favorit. Dessen ansprechende, moderne Form hatte das Designstudio Bertone in Italien entworfen hatte.<\/p>\n<h3>Die Zeit nach der Wende ab 1989<\/h3>\n<p>Im Zuge der Privatisierung nach dem Fall des Eisernen Vorhangs 1989 standen westliche Interessenten Schlange, um mit der \u00dcbernahme von Skoda einen Fu\u00df in den Wachstumsmarkt des Ostens zu bekommen. Neben Renault, boten BMW und Volkswagen f\u00fcr die damalige \u201eAZNP\u201c (\u201eAutomobilov\u00e9 z\u00e1vody, n\u00e1rodn\u00ed podnik\u201c, deutsch: Automobilwerke, Volksbetrieb). Die tschechoslowakische Regierung entschied sich f\u00fcr VW. Die Wolfsburger integrierten Skoda am 16. April 1991 als damals vierte Marke in den Konzern.<\/p>\n<p>Skoda nutzte klug die technischen M\u00f6glichkeiten, die der VW-Konzern mit seinen Plattformen und Antriebsalternativen bot und verband diese bew\u00e4hrte Technik mit einem stringenten zur\u00fcckhaltenden, aber ansprechenden Design. Das niedrigere Lohnniveau in der Tschechischen Republik erm\u00f6glicht Skoda, preislich sp\u00fcrbar unterhalb der VW-Produkte zu agieren. <\/p>\n<p>Die sozialistische Vergangenheit belastete das Image der Marke zu keiner Phase. Im 110. Jahr des Bestehens ist Skoda als Autobauer so erfolgreich wie nie zuvor in seiner Geschichte. Alleine in Tschechien besch\u00e4ftigt der Hersteller 26.000 Mitarbeiter.<\/p>\n<p>Quelle: Auto-Medienportal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2015 feiert Skoda dieses Jubil\u00e4um. Seit 1905 entstehen in Tschechien Automobile. 110 Jahre sind in der Automobilindustrie ein seltener Geburtstag. 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