{"id":2405,"date":"2014-03-25T10:41:58","date_gmt":"2014-03-25T09:41:58","guid":{"rendered":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/?p=2405"},"modified":"2022-01-19T11:08:36","modified_gmt":"2022-01-19T10:08:36","slug":"chevrolet-pickup-restauriert","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/chevrolet-pickup-restauriert\/","title":{"rendered":"Pferd gew\u00fcnscht  und Chevrolet Pickup restauriert"},"content":{"rendered":"<p>Diese wahre Geschichte berichtet von einem gew\u00fcnschten Pferd, das zu einem Chevrolet Pickup mutierte. Das rostige Gef\u00e4hrt wurde von einer damals jungen Dame mit Unterst\u00fctzung des Vaters innerhalb von sechs Jahren in einen neuwertigen Zustand versetzt. <\/p>\n<p>Es begann damit, dass die junge Dame, gerne wie viele M\u00e4dchen ein Pferd haben wollte. Doch der Vater war skeptisch und gab zu bedenken, wer sich denn um das Pferd k\u00fcmmert, wenn die damals junge Dame mal keine Lust zur Pflege und Ausreiten hat. Bei einem Auto in der Garage kann man die T\u00fcr schlie\u00dfen und dann ist Ruhe&#8230; Doch die an Technik interessierte Tochter hatte einen l\u00e4ngerfristigen Plan.<\/p>\n<figure id=\"attachment_2468\" aria-describedby=\"caption-attachment-2468\" style=\"width: 730px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Chevrolet-Stepside-3100-Pickup_01.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" src=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Chevrolet-Stepside-3100-Pickup_01.jpg\" alt=\"Chevrolet Stepside 3100 Pickup\" width=\"730\" height=\"496\" class=\"size-full wp-image-2468\" srcset=\"https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Chevrolet-Stepside-3100-Pickup_01.jpg 730w, https:\/\/oldtimer-veranstaltung.de\/inserat\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Chevrolet-Stepside-3100-Pickup_01-300x203.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 730px) 100vw, 730px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-2468\" class=\"wp-caption-text\">Chevrolet Stepside 3100 Pickup \u00a9 Fotoquelle und Bildrechte: Vater &#038; Tochter aus privater Sammlung<\/figcaption><\/figure>\n<p>Die junge Dame griff die Idee des Vaters auf, suchte in Zeitschriften ein passendes Auto f\u00fcr sich. Anfang der 90er Jahre gab es noch kein Internet und keinen Euro! Nach ungef\u00e4hr sechs Monaten Recherche stie\u00df Sie auf einen Chevrolet Stepside 3100 Pickup aus dem Jahr 1957 und war sofort vom Aussehen, Technik und Zustand begeistert. Das rostige St\u00fcck sollte 8.000 DM kosten. Die vom K\u00e4ufer erhaltenen Bilder \u00fcberzeugten und begeisterten den Twen und nun war der Vater am Zuge, denn V\u00e4ter halten die eigenen Versprechen gegen\u00fcber der Tochter ein.<\/p>\n<p>Auf einer R\u00fcckreise besichtigten dann Vater und Mutter den auserw\u00e4hlten Pickup bei dem H\u00e4ndler.<br \/>\nDas Urteil des Vaters war klar und deutlich. Es wartet viel Arbeit, aber der Pickup war weitestgehend ohne fehlende Teile und damit komplett. Also ein Projekt f\u00fcr die n\u00e4chsten Jahre &#8230; Eine ger\u00e4umige Garage wartete und die Neugier und das Interesse an historischer Technik bei beiden war vorhanden.  Der Umfang der zu t\u00e4tigenden Arbeiten war nicht kalkulierbar.<\/p>\n<h2>Transport<\/h2>\n<p>Mit einem gemieteten Autotransporter wurde der Chevrolet Pickup dann nach dem Kauf mit dem amerikanischen Certificate of Title abgeholt. Nach einer beschwerlichen Reise \u00fcber viele Steigungen erreichten Vater, Tochter, Pickup und Autotransporter die heimatliche Garage. Nach 33 Jahren Arkansas (USA), einer Schiffsreise und Standzeit bei einem H\u00e4ndler hatte der Pickup wieder ein Dach \u00fcber dem Rost.<\/p>\n<p>Den Holzf\u00e4llerutensilien und den geschwei\u00dften Sto\u00dfstangen nach wurde er in Arkansas in jungen Jahren f\u00fcr Forstarbeiten genutzt. Dann wurde er lange Zeit nicht mehr gefahren und stand zu gewuchert im Abseits. Dort wurde er vor fast 25 Jahren von einem deutschen H\u00e4ndler entdeckt, der ihn kaufte und nach Deutschland \u00fcberf\u00fchrte. Per Schiff ging es nach Bremerhaven, wo er leider nicht von selbst von Bord fuhr, sondern Mithilfe eines Gabelstaplers vom Schiff geholt wurde. Das Zeitalter, dass von USA nach Europa historische Fahrzeuge in Containern reisten, war noch nicht angebrochen. Beim Abladen wurden die T\u00fcren besch\u00e4digt, da diese tiefer als der Rahmen lagen. Doch es dauerte noch sechs Jahre bis er in Deutschland wieder auf die Stra\u00dfe neuwertig zur\u00fcck kehrte.<\/p>\n<h2>Demontage<\/h2>\n<p>Wie immer begann die Restauration mit der Zerlegung und Dokumentation der Teile, meist an Wochenenden, wenn es warm genug war und die Tochter nicht etwas anderes im Sinn hatte. Meist wurde ab Freitag Nachmittag gearbeitet und die Mutter sah Vater und Tochter nur zum Essen.<\/p>\n<h2>Fahrwerk<\/h2>\n<p>Die Holzplanke der Pritsche des Pickup wurde als Kompost entsorgt. Ebenso wurden Motor und Getriebe ausgebaut und das F\u00fchrerhaus vom Rahmen abgenommen. Nachdem alles zerlegt war, wurde zun\u00e4chst das Fahrgestell bearbeitet. Als erstes wurde der aus massiven U-Stahltr\u00e4gern gearbeitete H-Rahmen wieder in Stand gesetzt. Der Rahmen wurde im Freien mit Sand gestrahlt. Dann mit Rostumwandler konserviert, anschlie\u00dfend grundiert und mit einem speziellen Lack aus dem Br\u00fcckenbau bis heute vor dauerhaftem Rost gesch\u00fctzt. Danach wurden Fahrwerk und Rahmen getrennt und alle Teile einzeln restauriert. Der Rahmen wurde solange zur Seite gestellt. Die Achsen wurden \u00fcberholt, die Bremsen zerlegt, Verschlei\u00dfteile erneuert, Blattfederpakete getrennt, entrostet, neu gepackt und gelagert. Dann wurden Rahmen und restaurierte Einzelteile wieder zusammengesetzt. Neue Bremsleitungen wurden verlegt und neue Sto\u00dfd\u00e4mpfer erg\u00e4nzt. Der stabile Rahmen nebst Achsen war nun wieder im Zustand neu. W\u00e4hrend eines Gie\u00dfereipraktikums der Tochter wurden alle Kleinteile mit Sand gestrahlt. <\/p>\n<h2>Kabine<\/h2>\n<p>Das zuk\u00fcnftige &#8222;Frauenhaus&#8220; wurde demontiert und Scheiben, Dichtungen, T\u00fcren und sonstige Anbauteile entfernt. Die notwendigen Schwei\u00dfarbeiten an tragenden Teilen wurden von einem Fachmann ausgef\u00fchrt. Rost und alter Lack wurden sorgf\u00e4ltig entfernt. Mit einem Passivierungsmittel wurde der Rost in den Poren behandelt. Dann wurden Kompressor und Farbspritzpistole f\u00fcr die Grundierung der Metallteile angeschafft. Zun\u00e4chst wurde eine Trenngrundierung aufgebracht, die Reaktionen zwischen alten Lackresten und neuem 2K-Acryllack verhindern sollte. Die Farbe des Decklackes wurde nach einem Muster des Originallackes neu gemischt. Erst im dritten Anlauf sollte es gelingen ein Mischrezept f\u00fcr den notwendigen Lack Original &#8222;Indian Turquoise&#8220; zu bekommen. Die Garage wurde dazu in eine Lackierkabine verwandelt und vor der Garage die Kleinteile getrocknet.<\/p>\n<p>Sie erinnnern sich noch, dass beim Transport vom Schiff die T\u00fcren an den Unterkanten zerdr\u00fcckt wurden. Zwei gebrauchte T\u00fcren waren nicht zu gebrauchen, denn im Jahr 1957 wurde noch nicht so genau bei der Montage gearbeitet wie heute. Die T\u00fcren waren zu gro\u00df und trotz aller Versuche die T\u00fcren ein zupassen waren vielen Stunden vertan, Vater und Tochter waren um eine Erfahrung reicher. Daher wurde beschlossen, doch wieder auf die originalen T\u00fcren zur\u00fcck zugreifen und ein gelernter Karosseriebauer mit Erfahrung hat beide wieder in die urspr\u00fcngliche Form gebracht.<\/p>\n<h2>\u00dcberholung des Motors<\/h2>\n<p>Auch hier galt wieder aus alt mach neu! Der Motor &#8222;Thriftmaster 235 six&#8220; wurde vom Fahrgestell entfernt und in Einzelteile zerlegt. Der Zylinderkopf wurde zum \u00dcberholen weg gegeben und mit Hochleistungsventilschaftdichtungen versehen. Kurbelwelle und Kolben wurden nicht demontiert. Die krummen St\u00f6sselstangen und Ventile wurden durch Neuteile ersetzt. \u00c4u\u00dferlich wurden alte Lackreste und Dreck entfernt und alles neu lackiert. Anbauteile wie Vergaser, \u00d6l- und Luftfilter, Anlasser und Lichtmaschine wurden ebenfalls \u00fcberholt. Dann wurde alles zusammengesetzt und der Motor mit 140 PS bei 4.200 U\/min. und einem Drehmoment von 210 Nm bei 2.000 U\/min wieder auf dem Rahmen montiert. Die schiere Kraft wurde \u00fcber ein 3-Ganggetriebe auf die Hinterachse \u00fcbertragen.<\/p>\n<h2>Montage<\/h2>\n<p>Ein neuer Kabelbaum wurde eingebaut und die \u00fcberholten elektrischen Bauteile angeschlossen. Das K\u00fchlsystem und die Lenkung wurden wieder eingebaut. Und dann ging es mit einem Benzinkanister als Tank aus eigener Kraft zur Jungfernfahrt hinaus aus der Garage. <\/p>\n<p>Schritt f\u00fcr Schritt wurden Teile wieder eingebaut und langsam war auch wieder ein Pickup zu erkennen. Die Ladefl\u00e4che wurde von einem ausgebrannten 57er Chevy-Pickup erworben. Lediglich der mit einem Ausschnitt f\u00fcr das Reserverad versehene linke Kotfl\u00fcgel wurde von der alten Pritsche \u00fcbernommen. Nat\u00fcrlich wurde immer wieder ausgiebig getestet, denn Pickup fahren machte Tochter und Vater Spa\u00df! <\/p>\n<p>Nach sechs Jahren ging es dann auf den eigenen R\u00e4dern zu einem Fachbetrieb zur endg\u00fcltigen Lackierung. Dort war der Pickup nur ein Objekt wie jedes andere Fahrzeug auch und jede Menge Nacharbeit war die Folge f\u00fcr Tochter und Vater. Die Pritsche wurde lackiert und der Boden bekam neu Bedstripes. Die Komplettierung schritt dann z\u00fcgig voran, T\u00fcren und Scheiben wurden eingesetzt. Grill und Scheinwerfer gaben dem Chevrolet wieder ein Gesicht. Zur Vervollst\u00e4ndigung wurden die Chromteile dann montiert und noch notwendige Dichtungen eingesetzt.<\/p>\n<p>Hinweis: Mit Klick auf ein Foto mit dem Mauszeiger (PC) oder Ber\u00fchrung mit dem Finger (Smartphone, Tablet) wird der Wechsel zum n\u00e4chsten Foto durchgef\u00fchrt.<\/p>\n<h2>Belohnung und Ergebnis der Geschichte<\/h2>\n<p>Auf einem Treffen f\u00fcr Amerikanische Fahrzeuge gab es damals den Pokal f\u00fcr den sch\u00f6nsten Pickup!<\/p>\n<p>Der damalige Neupreis betrug 1957 ungef\u00e4hr 1.800 US-Dollar und in die Aufarbeitung wurden inklusive Fahrzeugkauf ungef\u00e4hr 33.000 DM investiert. Die Arbeitszeit wurde nicht bewertet. <\/p>\n<p>In den USA gibt es einige H\u00e4ndler, die sich auf Chevy-Pickups spezialisiert haben. F\u00fcr die Restauration wurden viele Teile in den USA per Post oder Telefax bestellt, w\u00e4hrend einiger USA-Aufenthalte wurden die H\u00e4ndler auch direkt aufgesucht. Damals im Zeitalter vor Online-Shops im Internet gab es gedruckte Ersatzteillisten mit Bestellnummern.<\/p>\n<p>Und die Moral der Geschichte: Zum historischen Chevrolet Pickup gesellte sich noch das sehnlichst gew\u00fcnschte Pferd als weiteres Familienmitglied.<\/p>\n<p>Quelle: Erz\u00e4hlung und Aufzeichnungen von Tochter und Vater<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Diese wahre Geschichte berichtet von einem gew\u00fcnschten Pferd, das zu einem Chevrolet Pickup mutierte. 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